Osterfeuer

Ostara: Wenn Licht und Dunkel tanzen

Frühling liegt in der Luft. Nun ja – hier bei uns zumindest noch nicht ganz. Der Winter hält sich in diesem Jahr hartnäckig und macht bislang jeden Versuch des Frühlings, sein Auge zu öffnen, zunichte. Ein paar sonnige Tage gab es immerhin schon.

Die Ostertage stehen an. Doch woher genau Ostern eigentlich stammt, ob nun heidnischen Ursprungs oder nicht, darum ranken sich die Diskussionen.

Früher wurde am ersten Vollmond, welcher der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche folgt, das große Frühlingsfest Ostara ausgerichtet. Die christliche Kirche behielt dies bei. Auch heute noch fällt Ostern immer auf den ersten Sonntag, der dem ersten Vollmond nach der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche (um den 21. März herum) folgt und richtet sich somit nach dem alten Mondkalender.

Geburt des Frühlings

Baum in der DämmerungAm Osterfest feiern wir den Sieg des Lichts über die Dunkelheit. Die Herkunft des Wortes wird oft in Zusammenhang mit Eostre bzw. Ostara, der Göttin der Morgenröte, des Frühlings und der Fruchtbarkeit gebracht.

Die Anfangssilbe Os bedeutet Schoß, Erde, Geburt oder Entstehung. Sie steckt auch im Wort Osten, wo die Sonne “geboren” wird.

Licht und Dunkel tanzen

Die alten Heidenvölker maßen allen Geschehnissen der Natur, die den Menschen unveränderlich blieben, eine göttliche Bedeutung bei. Für sie war Ostara ein wichtiges Fest, mit dem sie den Frühling und das Leben zelebrierten. Das warme Sonnenlicht galt als Zeichen der guten Götter, deren Wohnsitz im Himmel lag. Das bleiche Licht des Mondes inmitten der Dunkelheit stand hingegen für die bösen Götter mit ihrem Wohnsitz tief im Innern der Erde. Dort wohnte auch der Tod.

Wenn die Tage wieder länger wurden und die Sonne immer heller über den Horizont aufstieg, betrachteten die Menschen dies als Kampf zwischen den Göttern des Lichtes und den Göttern des Todes um die Herrschaft im Himmel und auf der Erde.

In der Vollmondnacht schließlich, in welcher der Mond selbst ganz vom hellen Licht des Tages erfüllt war, glaubten sie, der Sieg über die Dunkelheit wäre endgültig erreicht. Die Frühlingsgöttin erwachte aus ihrem Schlaf zu neuem Leben und mit ihr regte sich das erste Grün. Die Vögel kehrten aus dem Süden zurück, die Zeit der Saat und des Wachsens begann. Mit großen, lodernden Feuern, die sie auf den Feldern zündeten, symbolisierten die Menschen das Erstarken der Sonne und ihren glorreichen Siegeszug stellten sie mit brennenden Baumscheiben nach, die sie vom Berg ins Tal hinabrollten. Ein Brauch, der mancherorts noch heute vollführt wird.

Feldweihe

Mit einem Segnungsritual wurden zu Ostara die Felder vorbereitet. Dazu wurden von den Bauern an jeder Ecke eines Feldes heilige Kräuter zusammen mit einer Kerze in den Boden gesteckt und dabei um reichhaltige Ernte gebetet.

Ostara - noch älteren Ursprungs?

Unter Historikern drehen sich Diskussionen um noch einen weitaus älteren Kult. Dieser führt zurück auf Tammuz – gesprochen “DAMASI” – den Sohn der Astarte bzw. Ischtar.

Tammuz war König von Uruk, gleich bevor Gilgamesch regierte. Er galt als auf übernatürliche Art und Weise gezeugt und starb eines gewaltsamen Todes. Ischtar geriet darüber in tiefe Trauer. Fortan wurde alljährlich Tammuz in Gestalt eines Lammes als Sohn des heiligen Mutterschafes geopfert. Man hoffte auf seine Auferstehung, was sich schon in seinem Namen zeigt. Dieser bedeutet übersetzt “Sohn des Lebens” oder “Sohn der Auferstehung”.

Babylonische Epen bewahren die Geschichte vom jährlichen Sterben des Tammuz im Herbst und sein Wiederbringen durch die trauernde Ischtar im Frühling. Ischtar selbst wurde nach ihrem Tod zur Göttin erklärt, die zum Himmel aufgefahren sei, und in der ganzen Welt unter vielen verschiedenen Namen verehrt, u. a. Eostre bzw. Ostara.

Der österliche Festkreis

Der österliche Festkreis beginnt mit dem Aschermittwoch. Die 40 Fastentage vor Ostern, die wir im Katholizismus kennen, sind belegt aus der Zeit um 1000 vor Chr. Davor existierte ein älterer Mythos, der im Herbst mit dem Sterben des Gottes begann und an Ostern mit der Auferstehung endete.

Am Himmel existieren zwei Sternbilder für Astarte-Ischtar, einerseits die Jungfrau mit der Ähre, das Sternbild “Jungfrau”, zum anderen die “Ischtar des Paradieses” unmittelbar westlich von Enkidu-Tammuz. Sie wird auf alten Sternenbildern auch Anunitum (“Mutter der Menschheit”) genannt. Anunitum geht im Frühling genau 40 Tage vor Enkidu-Tammuz auf, bevor auch dieser am Ostermorgen am östlichen Horizont sichtbar wird.

Noch heute wird den Katholiken zu Beginn der 40-tägigen Fastenzeit, an Aschermittwoch, mit Asche ein T-Kreuz auf die Stirn gemalt. Ursprünglich bestand die Asche aus Palmzweigen und der Palmbaum galt der Astarte heilig. Das T-Kreuz steht für T-ammuz und auch das Wort Aschermittwoch ist weitergehend mit Aschera, der kanaanitisch-phönizischen Variante der Astarte verknüpft.

Ostern ist das wichtigste christliche Fest.

An Palmsonntag feiern die Christen den Einzug Jesu nach Jerusalem. An Gründonnerstag gedenken sie in einer Messe des Letzten Abendmahls mit seinen Jüngern und an Karfreitag wird im Gottesdienst an das Leiden und Sterben Christi erinnert. Der Karsamstag ist ein Tag der Stille und Besinnung, bevor mit einer feierlichen Liturgie die Osternacht beginnt. In dieser Messe zelebrieren die Christen die Auferstehung und den Sieg des Lebens.

Der Pfarrer entzündet die geweihte Osterkerze am Osterfeuer und betritt die noch dunkle Kirche mit den dreimaligen Worten “Lumen Christi” (Licht des Erlösers). Die Gemeinde antwortet mit “Deo gratias” (Dank sei Gott). Die Flamme wird dann an alle Gläubigen, die gewöhnlich eigene Kerzen mitgebracht haben, weitergegeben als Symbol der Verbreitung des Lichts und des Glaubens in der Welt.

 

Der Osterhase und die Eiersuche

OsterhaseNach der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche werden die Tage also wieder länger als die Nächte und der Frühling kehrt ein. Ostara, als ein Aspekt der Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Freyja, leitete viele Bräuche unserer heutigen Zeit ab, zum Beispiel den Osterhasen. Denn der Hase ist Sinnbild für Fruchtbarkeit. Er versteckt das Ei als Symbol für das Neuentstehen.

In der keltischen Mythologie hütete die Große Mutter-Göttin weit vor Anbeginn der Zeit ein Weltenei. Als sich erste Sprünge in der Schale zeigten, legte sie es vorsichtig in der Dunkelheit ab. Aus dem Ei entsprang daraufhin alles Leben. In diesem Sinne symbolisiert das Schenken von Eiern die Geburt der Erde.

 

Bunte OstereierVielleicht hängt der Brauch der Eiersuche auch einfach damit zusammen, dass man während der Fastenzeit keine Eier essen durfte, die Hühner dies aber natürlich nicht wussten und weiterhin Eier legten, die gekocht und bis Ostern aufbewahrt wurden.

Beim Bemalen der Eier haben die Farben traditionell eigene Bedeutungen. So steht Rot z. B. für Wärme und Magie, das Blut und das Opfer Christi. Gelb symbolisiert das Licht, die Sonne und Hoffnung, ebenso wie Grün, das darüber hinaus noch für den Neubeginn, die Jugend und das Glück steht. Weiß ist die Farbe der Reinheit und Blau steht für Kälte aber auch Treue im Glauben.

 

Unsere eigene Auferstehung?

Die Ostertage laden uns ein, uns selbst zu erforschen.

Wie kann ich selbst das Wunder der Auferstehung feiern? Welcher Teil von mir sollte neu “auferstehen”, wie lasse ich wachsen, was in mir verborgen liegt? Auch dürfen wir uns fragen, was ich selbst aufgegeben oder andere geopfert haben, damit ich heute dort bin, wo ich stehe?

Für mich gehörte es in den vergangenen Jahren dazu, am Ostersonntag schon früh morgens und noch im Dunkel hinauszugehen. Vor unserer Kirche wurde dann das Osterfeuer entfacht und wie beschrieben vom Pfarrer und der Gemeinde in die Kirche hineingetragen und verbreitet. Ich empfand die Messe jedes Mal sehr ergreifend und im Anschluss feierten wir bei einem gemeinsamen Osterfrühstück im Gemeindehaus weiter. Für mich persönlich noch besonderer war es, wenn ich selbst in der Messe aktiven “Dienst” verrichten und mitwirken durfte. Aber das liegt schon ein Weilchen zurück.

Vielleicht werde ich in diesem Jahr auch mal wieder ein Osterfeuer besuchen.

Osterfeuer

Wie sehen eure Ostertage aus? Habt ihr schon fleißig Eier bemalt oder habt ihr eigene Bräuche?

Schreibt es mir in die Kommentare.

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