Tief unter dem Stein liegt ihre Heimat, denn aus hartem Stein hat der Shana Ghorza sie in den Anfängen der Zeit geformt und ihnen Leben eingehaucht.

Ihr Volk ist eng mit den Tallocs verwandt, die in den Labyrinthhöhlen unterhalb der Weinenden Hügel Likhanas leben. Doch gibt es auch Unterschiede in ihrer Wesensart. Denn das Gestein scheint nicht nur die Außengrenzen der Ghorrocs abzuschirmen. Auch, was ihre eigenen Belange betrifft, zeigen sie sich hart und lassen sich ungern von anderen reinreden.

Die Steinlinge sind von kleiner aber stämmiger Statur, ihre Gesichter grimmig und rau wie der Fels, aus dem sie gemacht sind, mit Krausbärten und langem Haupthaar, in das sie oft Metallperlen flechten.

Gesellschaftssystem

Zuoberst herrscht das Thrôn-Blut, ein Rat der Ältesten, mit dem König an der Spitze. Darunter existieren unterschiedliche Kasten:

Dur Vrongar: die Kriegerschar, ihr Anführer Hulric Hrodulfshold ist zugleich Erster Krieger der Throngarde
Dur Volgrist: die Sudbrauer; ihr Oberster ist Alwyd Andulfshold
Dur Kurstrim: die Sektion der Heilskundler, geführt von Nafandi Nojalshold
Dur Girstrim: die Erzgilde, geleitet von Fimbor Furishold
Dur Skaldrim: der Meisterblock der Rüstschmiede mit Ulfrim Ulfrastshold als Erstem Schmied
Dur Dragast: der Bund der Steinschleifer, Erster Erbauer ist Alfsvald Alfurshold

Verwirrendes Brauchtum

Der Name der Steinlinge setzt sich aus dem Vornamen und dem Zusatz „Sohn des …“ zusammen. So heißt der König-unter-dem-Fels Thrôndasch Thrôndurshold, denn Thrôndur hieß sein Vater.

Bei offiziellen Anlässen werden sowohl Vater- als auch Muttername genannt, was dann Thrôndasch Thrôndurgrundilshold lauten würde, denn Grundil war Thrôndaschs Mutter.

Noch komplizierter wird es, wenn der besagte Steinling dem Thrôn-Blut angehört. Denn den Angehörigen der Königsfamilie gebührt es, stets bei vollem Vater- und Mutternamen genannt zu werden. Eine Ausnahme gilt wiederum für entfernte Verwandte, bei denen diese Ehrbekundung nicht nötig erscheint.

Bei ganz besonderen Feierlichkeiten wird auch noch der jeweilige Ehrenname, der zum Beispiel durch ruhmreiches Kampfgeschick erlangt wurde, hinzugefügt. Die derart wohl langwierigste Ausführung stellt das Rakardrathnîn dar, eine Ruhmbezeugung auf die Toten, die bei jedem Fest zwingend stattfindet und nicht selten die Geduld fremder Kulturen auf die Probe stellt. Doch wer es wagt, die Rituale der Ghorrocs zu stören, zieht den Zorn des Königs und des gesamten Steinernen Volkes auf sich. Und dieser ist ebenso beständig wie das Gestein, das sie umgibt.

Es mag für Außenstehende nicht so klingen, aber tatsächlich gebrauchen die Steinlinge – wenn auch unwillig – ihnen gegenüber meist kürzere und einfachere Namensversionen zur Verständigung. Nichtsdestotrotz bleibt ihre Sprache ein Mischmasch aus harten, abgehackten Lauten und Zungenknoten.

Die Steinernen Reiche

Ghorzad’dûm in den Eisenbergen ist die imposanteste Heimstätte der Ghorrocs. Seit einhundertzwanzig Jahren regiert dort Thrôndasch Thrôndurshold als König-unter-dem-Fels. Thrôndaschs Tor, glatt wie geschliffenes Glas und schimmernd in Silber und Rot, birgt den einzigen Zugang zu den Hallen aus Stein.

Thrak Tortha An Dûm Khar Mora. Nall Vanimbor. Kheldasch Gandur. Fêreun Ar Thr. Dies ist das Tor zu den Hallen der großen Erbauer. Die Meister schmiedeten es. Die Krieger wachen darüber. Im Blut eint sich der Treuen Wahrheit.

Das Steinerne Reich ist ein Geflecht aus breiteren Wehrstraßen und schmaleren Werksstraßen, die nach den verschiedenen Gilden und Zünften benannt sind. Die breitesten und höchsten Tunnel werden Erzringe genannt und bilden ein meilenweit in den Berg gegrabenes Netz, dessen einzelne Glieder sich auf insgesamt sechs Sohlen überlappen oder unterführen. Die Erzringe dienen mit ihren mächtigen Schienensträngen als Haupttransportwege. An ihren Knotenpunkten liegen die Großen Hallen der Erbauer.

Eine zweite Gruppe von Ghorrocs ging vor Hunderten von Jahren Bindungen mit den Menschen der Wildernis ein und lebt seitdem in den frostigen Kämmen und den Eisigen Hallen Is‘kândrins, mit Frôthrak als ihrem König, dem König-unter-dem-Eis. Fremd sind sie den Menschen und fremd den Sitten und Gesetzen ihrer Stammväter, rau wie die Nordwinde in den kalten Winternächten.

Eine dritte Spaltung vollzog sich, als ein Ältester der Dur Girstrim mit sieben Gefährten die Hallen Ghorzad’dûms verließ, um Kenntnisse in den Weiten der Welt zu ergründen. Unter den Sichelzipfeln in den östlichen Frostbergen schufen sie die Glitzernden Pforten von Azkar’dûn. Adalbor Albrandshold war der letzte König-unter-der-Sichel. Er starb vor über achtzig Jahren und seitdem liegen seine Hallen verlassen.

Das heutige Zeitalter

Das Steinerne Volk gehört durch Thrôndurs Schwur dem Bund der Treuen an, den die Freien Völker Shaendâras ablegten, um gemeinsam den grausigen Schatten des Zweiten Zeitalters zu bezwingen.

Aus diesem Grund führt der Erzmagier Albwin die Gemeinschaft nach Ghorzad’dûm, um Hilfe und eine Erneuerung des Eides durch König Thrôndasch zu erbitten. Nicht zuletzt, da die Steinlinge über ein kostbares magisches Artefakt wachen – den Zitterdolch.

Doch die Ankunft von Elyjas und seinen Gefährten lässt das Steinerne Reich erschüttern …

Welch ein schweißtreibendes Erlebnis! Sand, Kieswüsten und dornige Steppen. Kaum Pflanzen, nur wenige Kakteenarten, spröde Gräser oder Dattelpalmen. Trockene und heiße Winde fegen ganzjährig über das Land, die Temperaturen steigen im Sommer über vierzig Grad.

Im Nordosten Tâlameths erstreckt sich über weite Meilen die Fas Daran, das Sandige Meer, mit endlos scheinenden, feurig schimmernden Dünen.
Der Nomadenstamm der Daraner treibt seine Karawanen fast ganzjährig von Jar’Dorrh und Kel’Aydhar westwärts in die Städte der Tûlla, um Handel zu treiben.
Früher reisten ihre Co’Sor bis ins nördliche Falias und gelegentlich darüber hinaus nach Kaldun oder gar bis an die Grenzen des Königreiches Drâea oder in entgegengesetzter Richtung durch die Freie Weite. Doch das ist lange her.

Die Tûlla und das Vergessen

Die nördlichste Stadt der Tûlla ist Jal’Dharbheira an der Küste zur Bucht der rauen Wogen. Gegründet wurde jene Ansiedlung jedoch von den Enwaren unter dem früheren Namen Aza’Dhaan.

Die Erben Enwas‘ erschufen im Ersten Zeitalter das magische Hochzentrum Shaendâras in jenem Gebiet, das heute als Enwaerûn bekannt ist und nördlich an Tâlameth grenzt. Einige von ihnen zogen später weiter nach Südosten, wo sie die Akademie des treuen Pfades gründeten, die lange Zeit größte Magische Schule Shaendâras. An der Pforte lautete ihr Sinnspruch: »Aus dem Dunkel ins Licht«. Lange wuchsen hier die Lehren und die Weisheit der Shana.

Im Laufe der späteren Zeitalter wurden die Akademie und Teile der Siedlung am Fuße der Klippen durch die Macht des Schattens zerstört. Heute existieren nur noch das Kastell der Bücher, das Haus der Gesänge und das Haus des starren Wanderers. Der Wächter des Schlüssels hütet ihr kostbares Wissen.

Unter den sich zunehmend dort ansiedelnden Tûlla dehnte sich die alte Stadt immer weiter nach Süden aus. Der Hafen wuchs ebenso wie das Armenviertel im Osten. Die Ruinen auf den Klippen hingegen gerieten in Vergessenheit und bald hörten die Menschen nur noch den Namen, den die Tûlla ihrer neuen Heimat gaben – Jal’Dharbheira.

Wie in Jal’Dharbheira regiert auch im südlich gelegenen Ajjadûr kein offizieller Statthalter. Tatsächlich werden beide Städte aber von den Nabril, reichen Kaufleuten, die sich selbst als »edle Herren« erhoben haben, beherrscht. Sie kennen nur ihre eigenen Interessen, das Leid des armen Volkes ist ihnen gleichgültig.

Eine dritte Stadt liegt an der südlichen Westküste von Tâlameth.

Dràochs Enkel Gebor und dessen Nachkommen waren die ersten, die diesen Ort besiedelten. Hier erbauten sie den Tempel der Seher und bewahrten das Wissen ihres Ahnen. Ihre Gemeinschaft ist unter den treuen Völkern als Alte Sippe bekannt – denn ihr Wissen überragt selbst das ihrer eigenen ältesten Weisen. Ihre Gabe wohnt jedoch in diesem Zeitalter nur noch wenigen inne.

Wer nach Tagris Mor gelangen will, nimmt eine gefährliche Reise auf sich, denn der Weg führt geradewegs durch das Tal von Far Dhembe, den Zahnigen Schlund. Weißer Sand, aus dem Hunderte eckiger Kalksandsteinsäulen ragen, bedeckt jenes Gebiet. Wer nicht Acht gibt, wohin er seine Füße setzt, versinkt im Treibsand und nur wenige Spuren kehren je zurück ans Tageslicht. Unter den Tûlla kursiert derweil ein zweiter Name für Far Dhembe: Knochenwürger.

Das verschwundene Land

Bis zum Ende des Zweiten Zeitalters dehnte sich im Südosten des Wüstenreiches die Freie Weite aus. Zur damaligen Zeit konnten Karawanen den Weg bis nach Xh’llor zu Fuß zurücklegen.

Doch der Landarm versank nach dem gewaltigen Erdbeben, das die Große Schlacht im Krieg gegen den Schatten mit sich brachte und das auch Enwaerûn und andere Landstriche verbrennen ließ, in der Sturmsee.

Auch die Inselgruppe der Sieben Schwestern vor der Südküste Tâlameths erzitterte. Nur die größte Insel Nir hielt stand, während die anderen sechs untergingen. Sie wird seitdem Innis Aonar – die Einsame Insel – genannt.

Der Schwarze Kessel

Xh’llor, einst im Süden der Freien Weite, überlebte das Große Beben ebenfalls.

Die dunkle Stadt thront einsam auf einer Landspitze, gänzlich dem Schatten anheimgefallen. Tag und Nacht machen dort keinen Unterschied und die tosenden Winde, die von der Sturmsee her wehen, können die schwelende Hitze in den Straßen nicht vertreiben.

Im Westen, Süden und Osten kesseln wuchtige Berge die Stadt ein. Beiderseits des Schwarzen Hafens florieren die Sklavenmärkte der Dystri. Ihr Zentrum liegt am Schattengrund, dessen pechschwarze Türme sich wie Krallen über die Stadt krümmen.

Ein wahrlich unheimlicher Ort!

Im Gegensatz zu den Enwaren lautet der Sinnspruch der Xh’llori: »Im Dunkel erstarkt.« Ihr schwarzes Gift schwappt bereits nach Tâlameth über …

Grrr … mir schaudert es beim bloßen Gedanken an die finstere Stadt! Euch auch?

Beim nächsten Mal führe ich euch lieber wieder in freundlichere Gegenden.