Entdecke die fantastische Welt Shaendâra (Teil 5)

 

Im heutigen Beitrag will ich euch ein weiteres Reich in der Welt Shaendâra vorstellen – Tâlameth, was soviel bedeutet wie heiße Erde. Es liegt ganz im Südosten, jenseits der Bucht der rauen Wogen.

 

Der Norden und das wandernde Volk

Der Westen und Süden des Landes bestehen aus Sand, Kieswüsten und dornigen Steppen. Pflanzen wachsen nur wenige, einige Kakteenarten, spröde Gräser oder Dattelpalmen. Trockene und heiße Winde fegen ganzjährig über das Land, die Temperaturen steigen in den Sommermonaten auf über vierzig Grad. Wüstenmäuse, Fenneks, Echsen und zahlreiche Insektenarten bevölkern die Steppen im Westen.

Im Nordosten Tâlameths erstreckt sich über weite Meilen die Fas Daran, das Sandige Meer, mit endlos scheinenden, feurig schimmernden Dünen.

Der Nomadenstamm der Daraner pendelt zwischen den beiden Wüstenoasen Jar’Dorrh und Kel’Aydhar im Sandigen Meer und treibt fast ganzjährig seine Karawanen von dort aus in die Städte der Tûlla, um Handel zu treiben.

Früher reisten ihre Co’Sor bis nach Falias und gelegentlich darüber hinaus nach Kaldun oder Kendorras oder in entgegengesetzter Richtung durch die Freie Weite. Doch diese Zeiten liegen lange zurück.

Sie leben von der Schafs- und Ziegenzüchtung oder verkaufen Felle, eigens hergestellten Schmuck, Waffen, Salz und Würzpulver, um stattdessen Getreide, Stoff, Tee und Zucker zu erwerben.

 

Die Tûlla und das Vergessen

Juwel und Tümpel

Die nördlichste Stadt ist Jal’Dharbheira, unmittelbar an der Küste zur Bucht der rauen Wogen. Heute überwiegen die Tûlla, doch gegründet wurde jene Ansiedlung von den Enwaren und unter dem Namen Aza’Dhaan.

Die Erben Enwas‘ erschufen im Ersten Zeitalter das magische Hochzentrum Shaendâras in jenem Gebiet, das heute als Enwaerûn bekannt ist. Einige von ihnen zogen später weiter nach Südosten, wo sie die Akademie des treuen Pfades gründeten, die lange Zeit als die größte Zauberschule Shaendâras galt. Von den hohen Klippen blickten ihre Türme auf die Bucht hinunter, an der Pforte waren die Worte »Aus dem Dunkel ins Licht« eingemeißelt. Hier gediehen lange Zeit die Lehren und die Weisheit der Shana.

Die Akademie und Teile der Siedlung am Fuße der Klippen wurden später größtenteils durch die Macht des Schattens zerstört. Heute existieren nur noch drei der einstigen Gebäude – das Kastell der Bücher, das Haus der Gesänge und das Haus des starren Wanderers -, und der Wächter des Schlüssels hütet ihr kostbares Wissen.

In den Folgejahren weitete sich die Stadt durch die ansiedelnden Tûlla immer weiter nach Süden. Der Hafen wuchs an ebenso wie das Armenviertel im Osten. Die Ruinen oben auf den Klippen gerieten in Vergessenheit und die Tûlla nannten ihre neue Stadt Jal’Dharbheira.

 

Ajjadûr und die Nabril

Etliche Tagesreisen entfernt, im Südosten, liegt die zweite große Stätte der Tûlla, Ajjadûr.

Wie Jal’Dharbheira verfügt auch Ajjadûr weder über einen offiziellen Regenten noch über eine Stadtwache. Tatsächlich herrschen jedoch in beiden Städten die Nabril, reiche Kaufleute, die sich selbst als »edle Herren« über das Volk erheben. In Ajjadûr sind dies Galazan Gazar und Xaro az’Nod und gegen diese stellen die drei Nabril Jal’Dharbheiras zahme Lämmer dar.

 

Das erblindete Auge

Als dritte Stadt liegt Tagris Mor am entgegengesetzten südwestlichen Zipfel des Reiches Tâlameth, umringt von flachen Hügelketten, dessen westlichster an einen sitzenden Riesen erinnert, dessen Blick über das Meer und die Weiten Shaendâras wandert.

Dràochs Enkel Gebor und dessen Nachkommen waren die ersten, die diesen Ort besiedelten. Hier erschufen sie den Tempel der Seher und bewahrten Dràochs Wissen. Ihre Gabe tragen in diesem Zeitalter nur noch wenige in sich. Rakin, der Zweitoberste der Alten Sippe, wurde ermordet und über das Schicksal von Atalaya, der ersten Seherin, können Olbor und Gorgas nur spekulieren. Was an jenem Tag geschah, liegt in der Erinnerung eines Einfältigen verborgen …

Die Reise nach Tagris Mor führt geradewegs durch das Tal von Far Dhembe, den Zahnigen Schlund. Weißer Sand, aus dem Hunderte eckiger Kalksandsteinsäulen ragen, bedeckt jenes Gebiet. Für Unwissende eine gefährliche Reise. Denn wer nicht Acht gibt, wohin er seine Füße setzt, versinkt im Treibsand und nur wenige Spuren kehren je zurück ans Tageslicht. Unter den Tûlla kursiert daher noch ein zweiter Name: Knochenwürger.

Ungefähr seit der Zeit, da auch Atalaya verschwand, berichten Händler zudem von unheimlichen Insektengeschöpfen, die in Far Dhembe lauern. Niemand weiß, woher genau sie stammen …

 

Das Land neu gezeichnet

Bis zum Ende des Zweiten Zeitalters grenzte im Südosten die Freie Weite an das Wüstenreich. Jener Landarm, der bis nach Xh’llor reichte, versank nach dem gewaltigen Erdbeben, das die Große Schlacht mit sich brachte und auch Enwaerûn und einen Großteil Câllverons verbrennen ließ, in der Sturmsee. Auch die Inselgruppe der Sieben Schwestern vor der Südküste Tâlameths erzitterte. Nur die größte Insel Nir hielt stand und wird seitdem Innis Aonar – die Einsame Insel – genannt.

 

Der Schwarze Kessel

Xh’llor, im Süden der Freien Weite, überlebte das Große Beben ebenfalls. Die dunkle Stadt thront einsam auf einer Landspitze, gänzlich dem Schatten anheimgefallen. Tag und Nacht machen dort keinen Unterschied und die tosenden Winde, die von der Sturmsee her wehen, können die schwelende Hitze in den Straßen nicht vertreiben. Im Westen, Süden und Osten kesseln wuchtige Berge die Stadt ein. Westlich und östlich des Schwarzen Hafens florieren die Sklavenmärkte der Dystri, deren Arme bis nach Arcano reichen. Ihr Zentrum liegt am Schattengrund, dessen pechschwarze Türme sich wie Krallen über die Stadt krümmen. Ein wahrlich unheimlicher Ort!

Im Gegensatz zu den Enwaren lautet der Sinnspruch der Xh’llori: »Im Dunkel erstarkt.« Ihr schwarzes Gift schwappt bereits nach Tâlameth über …

 

 

Hui! Mir schaudert es bei dem Gedanken an diesen finsteren Ort. Euch auch?

Zum Glück konnte ich mich dem Dunkel dort entziehen und sicher aufs Festland zurückkehren. Ob es alle heil geschafft haben, kann ich noch nicht sagen … hm …

Aber versprochen – beim nächsten Mal entführe ich euch in freundlichere Gegenden!