Worldbuilding: So erschaffst du eine eigene Fantasy-Welt

Weltenbau: Eine eigene Fantasy-Welt erschaffen

Irgendwann hattest du vielleicht die Idee zu einer Geschichte. Du hast sie Wort für Wort und Zeile für Zeile niedergeschrieben, bis du voller Freude endlich das Wort ENDE daruntersetzen konntest. Und vielleicht hast du viel Herzblut in das Erschaffen einer eigenen Fantasy-Welt gesteckt.

Dann kommt der Zeitpunkt, an dem du deine Geschichte der Öffentlichkeit vorstellst und andere Menschen einlädst, deine Welt zu erkunden.

Sie folgen deinem Aufruf voller Neugierde. Doch dann runzeln sie plötzlich die Stirn und sagen dir, dass deine Welt nicht stimmig erscheint. Deine Freude wird hart ausgebremst.

Naja, ganz so einfach ist es nicht. Natürlich erschaffen wir Fantasy-Welten gerade weil sie fantastisch sind und weil in ihnen vieles existiert, das in unserer alltäglichen Welt nicht möglich ist. Aber wie fantastisch darf Fantasy wirklich sein?

Auch in Fantasy-Welten muss es Regeln geben. Nicht alles darf möglich sein. Schon gar nicht ohne Begründung. Es wird deinen Lesern schwer fallen, zu akzeptieren, wenn du ihnen das Geschehen lediglich damit begründest, dass das in deiner Welt eben so funktioniert.

Die Regeln, die du aufstellst, sollten sich zudem bis zum Ende hin durchziehen. Wenn etwas auf den ersten 200 Seiten gilt und ab der nächsten Seite plötzlich nicht mehr, erscheint das wenig glaubwürdig, außer du erklärst stimmig, warum das so ist (z. B. ein auferlegter Fluch, der die zuvor bestehenden Fähigkeiten auslöscht).

Aber selbst und vielleicht auch insbesondere im Falle von Magie solltest du als Autor bestimmte Gesetzmäßigkeiten definieren. Magie dient als Hilfsmittel, sollte aber nie die Lösung sein, mit der am Ende alle Probleme und Hindernisse quasi per Fingerschnipp beseitigt werden. Wenn in deiner Geschichte jemand zum Beispiel gut zaubern kann, sollte er dafür andere Schwächen aufweisen – wie jeder Mensch Stärken und Schwächen besitzt. Es sollte nicht auf »Ist halt Magie, da geht alles« hinauslaufen.

Leser, die deine Welt betreten, wollen Neues entdecken. Daher ist es nicht falsch, die gängigen Klischees des Fantasygenres zu vermeiden und sich etwas eigenes, originelles zu überlegen. Doch solltest du nicht übertreiben und jedes Detail neu erfinden. Das wirkt dann schnell künstlich und gezwungen. Durch vertraute Fantasy-Elemente kann der Leser sich leichter auf deine Welt einlassen, denn er verbindet mit ihnen bereits bestimmte Erwartungen. Umso überraschter wird er dann sein, wenn du an einigen Stellen tatsächlich auf originelle Weise abweichst und mit den Klischees brichst.

Eine glaubwürdige Fantasy-Welt erschaffen mit diesen Tipps

Dein Fahrplan zur eigenen Fantasy-Welt

Im Folgenden stelle ich dir noch einige Punkte vor, zu denen du dir Gedanken machen solltest. Durch die Beantwortung kannst du Schritt für Schritt deine eigene Fantasy-Welt erschaffen.

Der Schöpfungsmythos:

  1. Wie ist deine Welt entstanden?
  2. Gibt es Götter oder eine kosmische Kraft? Hält deren Wirken in deiner Welt an oder vergeht es?
  3. Existiert eine Verbindung zu unserer realen Welt?

Die Entwicklungsgeschichte:

  1. Wie viele Zeitalter hat deine Welt bereits durchlaufen?
  2. Welche wesentlichen Ereignisse haben stattgefunden?

Ökologie, Flora und Fauna:

  1. Wie ist das Klima in den einzelnen Gebieten deiner Welt? Ähnelt es den Klimazonen unserer Welt (Polarregionen, gemäßigte Zone, Subtropen, Tropen)?
  2. Welche Jahreszeiten herrschen? Welche Tag- und Nachtzyklen?
  3. Gibt es geografische Merkmale und Landschaften, die charakteristisch für deine Welt sind?
  4. Wie sind Rohstoffe und natürliche Ressourcen verteilt?
  5. Existieren Landmassen und Meere, Gebirge, Inseln, Flüsse, Seen, Wüsten oder Feuchtgebiete?
  6. Welche Lebensräume für Tiere und Pflanzen gibt es?
  7. Wie leben verschiedene Arten und wovon ernähren sie sich?
  8. Gibt es magische oder mystische Geschöpfe? Sind sie Teil des natürlichen Ökosystems oder gelangen sie auf andere Weise in deine Welt?

Kultur und Gesellschaft:

  1. Welche Kulturen bzw. Rassen leben in deiner Welt und was ist ihre jeweilige Rolle?
  2. Wie definiert sich ihre jeweilige Gegenwart in die »Lebensspanne« der Welt?
  3. Existieren Hochkulturen? Wie haben sie sich entwickelt?
  4. Welche Kulturen hatten oder haben besonderen Einfluss auf große Teile oder Errungenschaften deiner Welt?
  5. Wie sieht das Gesamt-Gesellschaftssystem aus (z. B. Stämme, Clangemeinschaften, Großfamilien)?
  6. Wie sind die einzelnen Kulturen sozial strukturiert? Gibt es unterschiedliche Schichten (z. B. Stände, Kastensystem)?
  7. Was ist ihr Glauben / ihre Religion? Gibt es Propheten, Priester, Tempel? Existieren unterschiedliche Religionsströme?
  8. Falls es Götter gibt, wie kommunizieren Gläubige mit ihnen?
  9. Wie funktionieren Machtsystem und die Regierung (Erbfolge, Wissen, Stärke, demokratische Wahlen)?
  10. Welche Werte sind besonders wichtig?
  11. Kommen bestimmte Bräuche vor?
  12. Was für einen Stellenwert besitzen Bildung, Sprache und Kunst?
  13. Wie sieht das Leben eines Durchschnittsbürgers aus?

Technik, Wissenschaft und Magie:

  1. Welche Kräfte wirken in deiner Fantasy-Welt und wie stehen diese zueinander?
  2. Welche Fortschritte und Entwicklungen wurden errungen?
  3. Wie weit liegen die fortschrittlichsten und die primitivsten Zivilisationen auseinander?
  4. Wie wird Wissen bewahrt und weitergegeben?
  5. Existiert Magie? Ist sie alltäglich?
  6. Wer übt Magie aus?

(Zum Thema Fantasy-Welten und Magiesystem folgt in Kürze noch ein separater Beitrag -> Nachtrag: hier entlang)

Ich hoffe, dir mit diesen Tipps einige Anregungen gegeben zu haben, um glaubwürdigere Fantasy-Welten zu erschaffen.

Wie gehst du beim Erschaffen deiner Fantasy-Welten vor? Schreib mir gerne deine Erfahrungen und Tipps in die Kommentare!

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