Fotografieren: Blende, Belichtungszeit und ISO erklärt

Im ersten Beitrag zum Thema »Fotografieren lernen« ging es um den Aufbau von Kameras und Objektiven und du hast schon mal einige wichtige Begriffe wie Brennweite und Bildwinkel gehört. Heute beschäftigen wir uns mit weiteren sehr wichtigen Parametern: Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit.

Fangen wir mit dem ersten Parameter, der Belichtungszeit an.

Bisher hast du etwas über die Eigenschaften unterschiedlicher Brennweiten bzw. Objektive erfahren. Jetzt geht es um weitere wichtige Parameter, die dir helfen, ein tolles Foto entstehen zu lassen. Der erste dieser Parameter ist die Belichtungszeit.

Es gilt die folgende Definition:

Die Belichtungszeit regelt, wie lange Licht durch das Objektiv auf den Sensor fällt.

Belichtungszeiten werden in Sekunden oder Bruchteilen davon angegeben. Typisch sind zum Beispiel 1/1000s, 1/500s, 1/30s usw. . Je kleiner die Zahl unter dem Bruch ist, desto länger wird die Zeit.

Merke: Eine Verdopplung der Belichtungszeit verdoppelt auch die einfallende Lichtmenge. Halbierst Du die Belichtungszeit, trifft auch nur die Hälfte des Lichtes auf den Sensor.

Fotografieren ohne zu verwackeln

Sicher hast du schon einmal bemerkt, dass es bei längeren Brennweiten schwerfällt, ein Foto nicht zu verwackeln. Falls nicht, probiere es aus: Nimm deine Kamera zur Hand und schau zuerst bei kurzer Brennweite (z. B. 24 mm) durch den Sucher. Das Bild wird sehr ruhig wirken. Sieh danach bei langer Brennweite (z. B. 200 mm) noch einmal durch den Sucher. Du wirst merken, dass es jetzt nicht mehr so einfach ist, das Bild ruhig zu halten.

Dieser Effekt ist normal, weil du dich schon allein durch Atmung und Herzschlag immer leicht bewegst. Deine Aufgabe ist es jetzt, dieses Schwanken auszugleichen.

Um verwacklungsfrei aus der Hand zu fotografieren, hilft dir die folgende vereinfachte Rechnung:

Wie stelle ich die Belichtungszeit an meiner Kamera ein?

Gewöhnlich heißt das Programm, über das du die Zeit an deiner Kamera einstellen kannst, Tv oder S. Hast du die Belichtungszeit festgelegt, stellt die Kamera in diesem Modus automatisch die Werte für Blende und (bei ISO-Automatik) auch den ISO-Wert passend ein.

Falls im Sucher oder auf dem Display der Wert der Blende anfängt zu blinken, dann kann die Kamera keine passende Blende für die gewählte Belichtungszeit einstellen und das Bild wird falsch belichtet. Schaue dazu unter ISO-Empfindlichkeit.

Merke: Durch bewusste Veränderung der Belichtungszeit kannst du Bewegungen eines Motives sichtbar machen und für die Bildgestaltung nutzen.

Dabei gilt:

  • kurze Belichtungszeit = eine Bewegung wird eingefroren
  • lange Belichtungszeit = eine Bewegung wird verwischt dargestellt

Einfrieren von Bewegung durch eine sehr kurze Belichtungszeit

In der Regel wirst du ein scharfes Foto von einem sich bewegenden Motiv machen wollen, zum Beispiel einem herumtollenden Kind oder Haustier.

Die passende Belichtungszeit ist immer von der Geschwindigkeit des Motivs abhängig. Denn je schneller ein Objekt, desto größer ist der Weg, den es in einer bestimmten Zeit zurücklegt. Du musst dich hier einfach durch viel Übung herantasten.

Sichtbar machen von Bewegung durch eine lange Belichtungszeit

Lange Belichtungszeiten bewirken immer, dass ein Motiv in Bewegung »verwischt«. Dieser Effekt kann zum Beispiel bei der Abbildung von fließendem Wasser reizvoll sein.

Die Belichtungszeit lässt sich jedoch ohne Hilfsmittel nicht beliebig verlängern. Irgendwann ist das Bild entweder völlig überbelichtet oder eine Verlängerung ist nicht mehr möglich, weil die von der Zeit abhängige Blende nicht weiter geschlossen werden kann. In diesen Fällen kommen dann Graufilter zum Einsatz, um das einfallende Licht zu reduzieren. Eine Alternative wäre, zu warten, bis weniger Licht vorhanden ist (z. B. in der Dämmerung). Bei Langzeitbelichtungen solltest du zudem grundsätzlich mit Stativ arbeiten, da ansonsten immer Verwacklungen auftreten werden.

Blende

Mithilfe der Blende kann der Lichtdurchlass verändert werden. Die Blende besteht dabei meist aus kreisförmig angeordneten und ineinander verschiebbaren Lamellenblechen, deren Öffnung entweder enger oder weiter gestellt wird und somit unterschiedlich viel Licht hindurchlässt.

Die Blende wird anhand folgender Formel als das Verhältnis der Brennweite zur Blendenöffnung des Objektivs ermittelt:

Tipp! Spricht man von einer »großen« oder »kleinen« Blende ist oft nicht klar, ob die Blendenzahl oder der Öffnungsdurchmesser gemeint ist. Daher empfehle ich, besser von einer offenen oder geschlossenen Blende zu sprechen.

Die Blendenreihe

Durch Einstellung der Blende kontrollierst du also die einfallende Lichtmenge durch Vergrößern bzw. Verringern der Öffnung. Es gilt dabei: Je kleiner die Blendenzahl, desto größer die Öffnung und umso mehr Licht fällt ein.

Für das bewusste Arbeiten mit der Blende existiert die sogenannte Blendenreihe. Sie beginnt mit Blende f/1 und setzt sich wie folgt fort:

1 … 1,4 … 2 … 2,8 … 4 … 5,6 … 8 … 11 …16 … 22 … 32 …

Vielleicht ist dir beim Lesen direkt aufgefallen, dass diese Reihe einer ganz simplen Regel folgt, die du dir leicht merken kannst. Denn der jeweils nächste Wert ist stets das Doppelte des vorhergegangenen. Sieh es dir noch mal genau an:

Wir beginnen mit Blende f/1 und setzen als nächsten ganzen Wert Blende f/1,4. Das ist die einzige Hürde, die du dir merken musst! Darauf folgt die Blende f/2 (= das Doppelte von 1). Auf Blende f/2 folgte jetzt Blende f/2,8 (= das Doppelte von 1,4) usw.

Also noch mal etwas anschaulicher:

11,422,845,6811162232

Die Blendenreihe ist wichtig, weil jeder Schritt zwischen den Blendenzahlen eine Verdopplung bzw. Halbierung der einfallenden Lichtmenge bedeutet.

Wie stelle ich die Blende an meiner Kamera ein?

An deiner Kamera lässt sich die gewünschte Blende im Programm Av / A einstellen. Dir werden dann verschiedene Blendenwerte angezeigt, z. B.: 4, 4.5, 5.0, 5.6, 6.3, 7.1, 8, …, die Du mit dem jeweils verwendeten Objektiv einstellen kannst.

Außen auf deinem Objektiv ist jeweils die kleinste Blendenzahl angegeben. Sie bezeichnet die sogenannte Offenblende – also den Wert der größtmöglichen Öffnung, bei der das meiste Licht einfallen kann.

Beispiele:

50mm 1:1.8 – Objektiv mit 50 mm Brennweite und einer Offenblende von f/1.8.

70-200mm 1:4 – 5.6 (bei Zoomobjektiven) – Brennweitenbereich und die jeweilig Offenblende, hier also 70 mm mit f4 und 200 mm mit f/5.6.

Merke:

  • Öffnest du die Blende um einen ganzen Wert (z. B. f/5.6 auf f/4) fällt doppelt so viel Licht ein.
  • Schließt du die Blende um einen ganzen Wert (z. B. f/4 auf f/5.6) halbiert sich die einfallende Lichtmenge.

Moderne Kameras und Objektive können die Blende in Drittel-Werten einstellen. Das kannst du aber zu Beginn vernachlässigen, denn nur ganze Blendenschritte verdoppeln oder halbieren die Lichtmenge.

Bildgestaltung mithilfe der Blende

Durch das Öffnen oder Schließen der Blende hast du die Möglichkeit, die Schärfentiefe im Bild zu kontrollieren.

So kannst du mit weit offener Blende Vorder- und Hintergrund ausblenden und Motive sehr schön freistellen. Fokus und selektive Schärfe liegen konzentriert auf dem Motiv. Wichtig ist dabei, dass das Motiv einigermaßen weit vom Hintergrund entfernt ist. Außerdem solltest du hierfür eine längere Brennweite nutzen. Mit Weitwinkelobjektiven ist der Effekt nicht zu erreichen.

Bei geschlossener Blende wird das gesamte Bild mit Vorder- und Hintergrund scharf dargestellt. Das macht nur dann Sinn, wenn alle Details des Bildes wichtig sind, wie beispielsweise in der Landschafts- oder Produktfotografie. Ansonsten wirkt das Foto wegen der vielen Details sehr unruhig.

Merke: Je offener die Blende, desto unschärfer werden Vorder- und Hintergrund. Dieser Effekt verstärkt sich, je länger die Brennweite und je weiter entfernt der Hintergrund ist.

Zusammenspiel von Blende und Belichtungszeit

Damit ein Foto korrekt belichtet wird, ist eine ganz bestimmte Menge an Licht notwendig. Du kennst jetzt zwei Wege, wie du den Lichteinfall auf den Sensor regeln kannst:

  1. Du wählst lange oder kurze Belichtungszeiten und lässt damit mehr oder weniger Licht einfallen
  2. Du kontrollierst die einfallende Lichtmenge über Öffnen oder Schließen der Blende.

Blende und Belichtungszeit hängen unmittelbar zusammen.

Schließt du die Blende und lässt du nur wenig Licht einfallen, musst du eine entsprechend lange Belichtungszeit wählen, um genügend Licht für dein Foto zu sammeln.

Fällt bei einer offenen Blende hingegen viel Licht ein, reicht eine kurze Belichtungszeit, um genügend Licht für das Foto zu erhalten.

Beispiel:

Verdoppelst Du die Belichtungszeit von 1/500s auf 1/250s, dann lässt Du doppelt so viel Licht auf den Sensor fallen und kannst die Blende um einen ganzen Wert z. B. von Blende f4 auf Blende f5.6 schließen.

Sowohl mit der Kombination Belichtungszeit 1/500s und Blende f/4 als auch Belichtungszeit 1/250s und Blende f/5.6 wird das Bild korrekt belichtet sein.

Fotografieren: Zusammenspiel von Blende und Belichtungszeit

ISO-Empfindlichkeit

Mit der ISO-Empfindlichkeit sprechen wir über einen dritten wichtigen Parameter für deine Bildgestaltung.

Die Empfindlichkeit (ISO) gibt nämlich an, wie stark der Sensor der Kamera auf das einfallende Licht reagiert. Hierbei gilt, je höher der ISO-Wert, desto lichtempfindlicher ist der Sensor.

Merke: Je höher die Empfindlichkeit des Sensors eingestellt ist, umso stärker ist auch das störende Bildrauschen. Deshalb sollte der ISO-Wert nur so hoch wie nötig und so gering wie möglich gewählt werden.

Die ISO-Reihe

Auch bei der ISO-Reihe zeigt sich wieder das bekannte Prinzip der Verdopplung. Denn die Erhöhung des ISO-Wertes um eine (ganze) Stufe verdoppelt ebenfalls die Empfindlichkeit des Sensors.

100 … 200 … 400 … 800 … 1600 … 3200 … 6400

Zusammenspiel von Blende, Belichtungszeit und ISO

Die drei Werte Belichtungszeit t, Blende f & Empfindlichkeit ISO stehen in direktem Zusammenhang.

Du weißt bereits:

  • Eine Verdopplung der Zeit bewirkt eine Verdopplung der einfallenden Lichtmenge.
  • Öffnen wir die Blenden um einen ganzen Wert, verdoppeln wir die einfallende Lichtmenge.
  • Die Erhöhung der Empfindlichkeit um einen ganzen Wert verdoppelt die Empfindlichkeit des Sensors.

ISO und Blende

Manchmal kann es sinnvoll sein, die Blende zu schließen. Zum Beispiel wenn Schärfentiefe im Bild wichtig ist, wie bei einem Gruppenfoto, damit auch die Personen weiter hinten scharf abgebildet werden.

Als Beispiel:

Ein Bild wäre mit der Kombination ISO100 mit Blende f/4 und einer Zeit von 1/60 Sek. korrekt belichtet.

Jetzt willst du die Blende schließen, um mehr Schärfentiefe zu erreichen. Beim Schließen der Blende auf f/8 verlängert sich aber die Belichtungszeit auf 1/15 Sek. und ist zu lang, um das Foto nicht zu verwackeln.

Willst du also bei identischer Belichtungszeit die Blende um 2 ganze Schritte zum Beispiel von f/4 auf f/8 schließen, musst du den ISO-Wert um 2 ganze Werte von ISO100 auf ISO400 erhöhen.

ISO und Belichtungszeit

Ebenso kannst du die Belichtungszeit deines Fotos über eine Änderung des ISO-Wertes beeinflussen. Zum Beispiel, wenn du ein rennendes Kind fotografieren möchtest.

Bei ISO100 und offener Blende von f4 wäre die korrekte Belichtungszeit 1/15 Sek. . Du hast jedoch bereits erfahren, dass eine Bewegung bei dieser langen Belichtungszeit nicht eingefroren wird. Du musst also die Belichtungszeit verkürzen.

Vielleicht hast du durch Herumexperimentieren schon herausgefunden, dass eine Belichtunszeit von 1/250 Sek. ausreicht, um die Bewegung einzufrieren. Wie kommst du also von 1/15 Sek. auf eine Zeit von 1/250 Sek.?

1/15 –> 1/30 (1x)–> 1/60 (2x)–> 1/125 (3x)–> 1/250 (4x)

Da die Ursprungszeit 4x halbiert wurde, musst du den ISO-Wert entsprechend 4x erhöhen:

ISO100 –> 200 (1x)–> 400 (2x)–> 800 (3x)–> ISO 1600 (4x)

Und damit sind wir mit den wichtigsten Parametern Blende, Belichtungszeit und ISO zum Fotografieren lernen durch.

Mit diesem Wissen kannst du jetzt deine Bilder bewusst gestalten und flexibel auf die gerade herrschenden Lichtverhältnisse reagieren.

Hier findest du alles Wichtige zu Blende, ISO und Belichtungszeit noch einmal als Merkblatt.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren und Fotos machen!

Fotografie: Blende, Belichtungszeit, ISO
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