Welch ein schweißtreibendes Erlebnis! Sand, Kieswüsten und dornige Steppen. Kaum Pflanzen, nur wenige Kakteenarten, spröde Gräser oder Dattelpalmen. Trockene und heiße Winde fegen ganzjährig über das Land, die Temperaturen steigen im Sommer über vierzig Grad.

Im Nordosten Tâlameths erstreckt sich über weite Meilen die Fas Daran, das Sandige Meer, mit endlos scheinenden, feurig schimmernden Dünen.
Der Nomadenstamm der Daraner treibt seine Karawanen fast ganzjährig von Jar’Dorrh und Kel’Aydhar westwärts in die Städte der Tûlla, um Handel zu treiben.
Früher reisten ihre Co’Sor bis ins nördliche Falias und gelegentlich darüber hinaus nach Kaldun oder gar bis an die Grenzen des Königreiches Drâea oder in entgegengesetzter Richtung durch die Freie Weite. Doch das ist lange her.

Die Tûlla und das Vergessen

Die nördlichste Stadt der Tûlla ist Jal’Dharbheira an der Küste zur Bucht der rauen Wogen. Gegründet wurde jene Ansiedlung jedoch von den Enwaren unter dem früheren Namen Aza’Dhaan.

Die Erben Enwas‘ erschufen im Ersten Zeitalter das magische Hochzentrum Shaendâras in jenem Gebiet, das heute als Enwaerûn bekannt ist und nördlich an Tâlameth grenzt. Einige von ihnen zogen später weiter nach Südosten, wo sie die Akademie des treuen Pfades gründeten, die lange Zeit größte Magische Schule Shaendâras. An der Pforte lautete ihr Sinnspruch: »Aus dem Dunkel ins Licht«. Lange wuchsen hier die Lehren und die Weisheit der Shana.

Im Laufe der späteren Zeitalter wurden die Akademie und Teile der Siedlung am Fuße der Klippen durch die Macht des Schattens zerstört. Heute existieren nur noch das Kastell der Bücher, das Haus der Gesänge und das Haus des starren Wanderers. Der Wächter des Schlüssels hütet ihr kostbares Wissen.

Unter den sich zunehmend dort ansiedelnden Tûlla dehnte sich die alte Stadt immer weiter nach Süden aus. Der Hafen wuchs ebenso wie das Armenviertel im Osten. Die Ruinen auf den Klippen hingegen gerieten in Vergessenheit und bald hörten die Menschen nur noch den Namen, den die Tûlla ihrer neuen Heimat gaben – Jal’Dharbheira.

Wie in Jal’Dharbheira regiert auch im südlich gelegenen Ajjadûr kein offizieller Statthalter. Tatsächlich werden beide Städte aber von den Nabril, reichen Kaufleuten, die sich selbst als »edle Herren« erhoben haben, beherrscht. Sie kennen nur ihre eigenen Interessen, das Leid des armen Volkes ist ihnen gleichgültig.

Eine dritte Stadt liegt an der südlichen Westküste von Tâlameth.

Dràochs Enkel Gebor und dessen Nachkommen waren die ersten, die diesen Ort besiedelten. Hier erbauten sie den Tempel der Seher und bewahrten das Wissen ihres Ahnen. Ihre Gemeinschaft ist unter den treuen Völkern als Alte Sippe bekannt – denn ihr Wissen überragt selbst das ihrer eigenen ältesten Weisen. Ihre Gabe wohnt jedoch in diesem Zeitalter nur noch wenigen inne.

Wer nach Tagris Mor gelangen will, nimmt eine gefährliche Reise auf sich, denn der Weg führt geradewegs durch das Tal von Far Dhembe, den Zahnigen Schlund. Weißer Sand, aus dem Hunderte eckiger Kalksandsteinsäulen ragen, bedeckt jenes Gebiet. Wer nicht Acht gibt, wohin er seine Füße setzt, versinkt im Treibsand und nur wenige Spuren kehren je zurück ans Tageslicht. Unter den Tûlla kursiert derweil ein zweiter Name für Far Dhembe: Knochenwürger.

Das verschwundene Land

Bis zum Ende des Zweiten Zeitalters dehnte sich im Südosten des Wüstenreiches die Freie Weite aus. Zur damaligen Zeit konnten Karawanen den Weg bis nach Xh’llor zu Fuß zurücklegen.

Doch der Landarm versank nach dem gewaltigen Erdbeben, das die Große Schlacht im Krieg gegen den Schatten mit sich brachte und das auch Enwaerûn und andere Landstriche verbrennen ließ, in der Sturmsee.

Auch die Inselgruppe der Sieben Schwestern vor der Südküste Tâlameths erzitterte. Nur die größte Insel Nir hielt stand, während die anderen sechs untergingen. Sie wird seitdem Innis Aonar – die Einsame Insel – genannt.

Der Schwarze Kessel

Xh’llor, einst im Süden der Freien Weite, überlebte das Große Beben ebenfalls.

Die dunkle Stadt thront einsam auf einer Landspitze, gänzlich dem Schatten anheimgefallen. Tag und Nacht machen dort keinen Unterschied und die tosenden Winde, die von der Sturmsee her wehen, können die schwelende Hitze in den Straßen nicht vertreiben.

Im Westen, Süden und Osten kesseln wuchtige Berge die Stadt ein. Beiderseits des Schwarzen Hafens florieren die Sklavenmärkte der Dystri. Ihr Zentrum liegt am Schattengrund, dessen pechschwarze Türme sich wie Krallen über die Stadt krümmen.

Ein wahrlich unheimlicher Ort!

Im Gegensatz zu den Enwaren lautet der Sinnspruch der Xh’llori: »Im Dunkel erstarkt.« Ihr schwarzes Gift schwappt bereits nach Tâlameth über …

Grrr … mir schaudert es beim bloßen Gedanken an die finstere Stadt! Euch auch?

Beim nächsten Mal führe ich euch lieber wieder in freundlichere Gegenden.

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