Schreibinsel

Willkommen in meiner kleinen Oase, in der ich es mir mit einem leckeren Heißgetränk gemütlich mache und in den kreativen Flow abtauche. Hier findet ihr einige Malereien, Gedichte und Gedanken, hier entstehen Weltengerüste und Ideentempel.

 Viel Spaß beim Stöbern!
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Alltagslyrik & Gedanken

Hinter der Tür schreibst Du Geschichten, trittst ein in unbekannten Raum. Mit jedem Schritt das Dunkel lichten, mag Wahrheit werden jeder Traum.

Hinter der Tür erwartet Dich Leben, komm Deinem Dasein auf den Schlich! Hinter der Tür kann’s alles geben, tritt herein. Entdecke Dich!

Flügelschläge in der Ferne umranken sich in schüchternem Tanz, schwarze Wogen, goldumflutet, vermählen sich zum Himmelskranz.

Lautlos gleiten sie dahin, vereint in der Unendlichkeit, bis die Winde auferstehen, entzweien ihre Wege weit.

Herbstsonnenglühen

rauscht durch die grauen Zweige,

schenkt mir ein Lächeln.

Am Himmel

Blau in Weiß

Weiß in Blau

Vereint

Wolken verwischen

Zarte Finger

recken sich vom Erdboden hinauf

tanzen im Sonnenschein

Ein Vogel

hingetupft

durchfliegt dieses

Naturgemälde

singt Lebensatem

in die Stille

In mir

Frieden

Wachsen.

Mit sich sein.

Allein

aber nicht einsam.

Still

aber nicht leblos.

Wandern im Innern,

wo Weite

Nähe schafft.

Wenn
Kondensstreifen
Wie Würmer
Über den Himmel kriechen

Sich wühlen
Durch das Blau der Unendlichkeit

Haltlos

Will Springen
Will fliegen

Loslassen

Eintauchen
In die Weite

Grenzenlos

Hören ohne zu urteilen.

Formen ohne zu zerstören.

Reden ohne zu belehren.

Kämpfen ohne zu verletzen.

Austausch, nicht Unterdrückung.

Drückend

schwillt die lichte Flut des Tages,

formt mein Gefängnis.

 

Lebenssprengsel

schießen Raumfähren gleich

aus den brennenden Docks

meines Leibes.

 

Glühen.

 

Dürsten

nach dem Rascheln

der Bäume.

 

Worte sind …

 

Worte sind Boote,

die auf den Wellen

des Lebens gleiten,

dich sanftmütig wiegen,

wie die Mutter ihr Kind,

dich halten, wenn die

tosenden Wogen alles

herum verschlingen,

dich schütteln, wenn

der Tag Berge wirft.

 

Worte sind Zweige,

die aus Vergangenem

Zukunft formen,

dich nähren aus

quellendem Geisttrunk,

dich heben, um stolze

Kronen zu zeichnen,

dich schwenken, in 

blättrigem Reigen

fordernden Seins.

 

Worte sind Klingen,

die durch die fliehenden

Winde der Zeit surren,

dich skizzieren mit

stählernen Narben,

dich eisig durchstoßen,

wie bitterer Frost,

dich schneidend erhärten

in harschem Gefecht,

zu steinernem Schild.

 

Worte sind Flammen,

die züngeln in den

Adern der Welt,

dich brennen,

zu eifernden Gipfeln,

dich versengen,

in sorgloser Zier,

wie berstende Glut,

dir leuchten, auf

blitzender Spur.

 

Worte sind Brücken,

die über rostgekerbte

Schluchten schlagen,

dich leiten ins Dunkel

friedvoller Neugier,

dich ankern im Sog

wild zehrender Knoten,

dir mehren den Sud

des nachtblinden Herzes,

mit Sinn beseelt.

 

Das Büchertor

 

Da liegt es, rot auf schwarzem Samt,

mit Gleichgesinnten ausgelegt.

Und doch hat keines jener anderen,

mein Augenmerk wie dies‘ erregt.

Umstäubt von einem magisch‘ Bann,

schreit ich zu ihm, wie in Trance.

Höre flüsternd lieblich Stimme:

»Hier und jetzt ist Deine Chance!«

Irritiert schau ich mich um.

Ist dieses tatsächlich geschehen?

Abermals erklingt ein Wispern:

»Öffne mich und Du wirst sehen!«

So beäug ich noch genauer

golden‘ Lettern auf dem Rand,

leise sprech ich seinen Namen

und ergreif es mit der Hand.

Mittendrin, wie ich entdecke,

ein rotes Bändchen lugt hervor.

Ich zieh daran, der Block klappt auf –

jetzt öffnet sich das Büchertor.

Die Umgebung rasch verblasst,

vor dem Aug‘ schwirren die Seiten,

Gedanken schweben weit empor

und durchfliegen Raum und Zeiten.

Ich versink im Wirbelstrudel,

brennend Neugier still entfacht,

in meines Geistes tiefer Sehnsucht

ist eine neue Welt erwacht.

Ich zieh durch ferne Länder nun,

von sanfter Stimme angezogen,

um Feuerberg und eisig Schollen

surf ich auf glitzernd‘ Silberwogen.

Wälder, Wüsten, Berge, Schluchten,

entdecke ich auf meinen Reisen,

kämpf mit Freunden gegen Schurken,

lerne zaubern von den Weisen.

Fühle mit dem tapferen Helden,

eifrig schwinge ich die Blätter.

Begleite ihn bis hin zum Ende,

werde mit ihm selbst zum Retter.

Ein unglaubliches Abenteuer

bis die Geschichte schließlich aus.

Zufrieden lehn ich mich zurück,

tret aus dem Büchertor heraus.

Kleine Achtsamkeitsgeschichten ...

Die Zeit der Himmelswale

Wenn der Glanz des Frühlings sich mit der Schwüle des Sommers paart, wenn Sonne und Wolken ihre Grenzen verwischen und das Licht hoch über unseren Köpfen unaufhaltsam dahingleitet; dies ist die Zeit der Himmelswale, die als gleißende Gebilde sanftmütig durch das dunkelnde Meer der Endlosigkeit treiben. Gigantisch sehen sie aus, wie sie über uns hinwegschwimmen, ihre massig wirkenden und dennoch leicht schwebenden Körper, die mit der Kraft ihrer zart anmutenden Flossen vorwärtsfließen, ehe sie erneut in der mystischen Unendlichkeit der Wolkenwogen versinken.

Und gebannt beobachte ich wie sie ihre Bahnen schwimmen, wie lichte Wellen sich ausbreiten, wo ihre Gestalten lautlos die graue Flut verdrängen, mein Gesicht von einem friedvollen Lächeln beseelt, das sie zu erwidern scheinen.

Es ist ihr stumm geschenkter Gruß und die Aufforderung:

»Folge mir hinaus!«

Flammendurst

Es war einmal ein alter Drache namens Drakys. Vom Kopf bis zur Schwanzspitze war er so lang wie ein Zug und jeder seiner beiden Flügel war breit wie ein Haus. Sein Feuer loderte kraftvoll und grell wie die Sonne und wo andere nach Wärme suchten, hatte der Drache sie ihnen geschenkt.
In diesen Tagen brannte Drakys’ Feuer immer schwächer und das Züngeln seines Rachens verglühte in bleichem Rauch, schon während er es entfachte. Sein massiger Rumpf, einst glänzend geschuppt wie leckende Flammen, ergraute. Seine einstige Kraft strömte wie Schweiß aus seinem ermattenden Körper.

Ich habe gebrannt. Gebrannt, warm und hell, zur Hoffnung und Freude, gegen Kälte und Einsamkeit, für Freunde und Fremde, für alle anderen. Nun bin ich müde und geschwächt und es bleibt kein Feuer für mich.

Schlaff und träge schleppte der Drache seinen schweren Körper, den er einst leicht und mühelos hochgestemmt hatte, zum Drachenältesten, um Rat zu erbitten.
»Dein Leib ist matt und stumpf und deinen Augen fehlt ihr früheres Leuchten«, beäugte Dracor ihn. »Lange und heiß hast du dein Feuer verschenkt, ohne dich zu schonen, und nicht darauf geachtet hast du, es einzuteilen. Nun scheint deine Hitze verloren.«
»Wo finde ich es wieder?«, fragte Drakys schweren Herzens. »Sag es mir, bitte. In den siedenden Quellen von Tandrya?«
»Nein. Die Hitze der dortigen Quellen schießt als flüchtiger Funken empor. Sie würde dich verbrühen.«
»Dann womöglich im Tal der wehenden Sonne?«
»Auch dort nicht. Denn jene Wärme schwebt dicht und langsam. Sie würde deine letzte Kraft erdrücken«, verneinte Dracor.
»Aber vielleicht mag der Wind in Sandria mein Feuer entzünden.«
Wieder schüttelte Dracor den Kopf.
»Zu wild und unbeständig wirbelt jenes Wehen. Denn es bläst aus verschiedenen Richtungen und lässt dich flattern. Es hält dich fest, ohne dass du jemals vorwärtskommst. Es würde dich zerreißen und deinen letzten Funken entzweien.«
Da fiel dem erschöpften Drakys nichts weiter ein.
»Um dein Feuer zu entfachen, suche zuerst dein Wasser«, riet Dracor.
»Das Wasser?«, wunderte Drakys sich. »Wie mag Wasser einen Brand entzünden?«
»Wie ein einzelner Regentropfen erdrückende Dürre in wohlige Wärme wandelt.«
Drakys seufzte schlapp. »Ich will zur Sturmküste im Osten reisen, obwohl meine Kraft kaum für solch einen Flug reicht.«
»Erspare dir den weiten Weg. Das Meer schäumt stetig und seine Wogen schnalzen hart wie Peitschenschläge ans Ufer, dass sie jede Flamme löschen. Wo du es blickst, verzerrt es dein Wesen. Das Wasser, das du suchen sollst, ruht glatt wie ein Spiegel. Ein Schluck daraus mag deine Hitze wiederbringen. So gilt es für alle Zeiten. Das Feuer, das verbrennt, wird vom Wasser geheilt.«

Da verstand Drakys, dass er seine Flammen zu oft und zu eifrig hatte schwelen lassen, ähnlich einer Suppe, die bei zu viel Hitze überkocht.
Er begab sich auf die Suche und entdeckte ein einsames Tal. Darin perlte ein kristallklarer Bergsee, dessen Haut von keinem Windzug verwischt wurde. Am Ufer legte Drakys sich nieder. Niemand bat ihn dort um Feuer und er beobachtete eine Weile sein eigenes fahles Antlitz an der Wasseroberfläche.

Eines Morgens spürte er, wie der Funken in seinen müden Körper zurückkehrte. Bald darauf schwang sich Drakys empor. Er glänzte wieder und fühlte sich stark. Und er freute sich darauf, neues Feuer zu schenken.

Nachgesonnen ...

Leben in der Großstadt

Ich spüre den harten Asphalt unter meinen Füßen. Ich sehe schillernde Lichter, glanzvoll in Rot, Grün, Blau, Gold oder Pink, in allen möglichen Farben, bleich in ihrer Gesamtheit. Glühendes Leuchten pulsiert zwischen kantigen Klötzen. In der Stadt sind alle Berge leblos. Rauschend quillt die Flut an mir vorüber, droht mich zu überschwappen. Ich ringe nach Halt. Doch mein Boot besitzt keinen Anker.

Alles fließt, unaufhaltsam. Fortschritt. Entwicklung. Puls spüren. Leben.

Der rasende Strom lähmt die Zeit.

Ich trinke aus diesem sprudelnden Quell. Will teilhaben, fühlen, sein. So vieles. Und verdurste. Ich tauche ein in den Sog, freudig und voller Neugier, wohin er mich zieht. Planken und Stege säumen das unerreichbare Ufer. Inseln singen und tanzen in bunter Dunkelheit. Frohsinn. Leichtigkeit. Hohn. Ihr Schein blendet mich und ich treibe vom Kurs ab, schwimme hinaus auf das Meer der Blindheit, ohne dass ich es merke. Verliere mich, während ich nach mir suche.

Trüb ist der Himmel über mir, stickig vom brennenden Atem der stählernen Schmieden, die mich umringen und unentwegt die Flammen anheizen. Ihre Schatten erdrücken mich. Laute Gesänge feiern Fröhlichkeit. Unter ihren Liedern schwillt mir der Kopf an, fähig zu zerplatzen wie reifes Obst. Weiche Dellen matschen meine Gedanken, pürieren meinen Geist zu süßlichem Mus, das zu löffeln mir zuwider ist.

Nach Stille sehnen sich meine Ohren.

Zu bunt. Zu farblos.

Überfüllt und leer. Zuviel.

Leben in der Großstadt. Eine Wahl.

Groß statt Leben.

Entwicklung eines Romans

Das Schreiben eines Romans ähnelt dem Bau eines Hauses.

Zunächst fertigt man den Rohbau, die Grundmauern, die alles tragen. Dann trägt man weiteren Putz auf, streicht hier und da noch vieles glatt, bringt bunte Farben an die Wände. Man zieht Wände hoch, wo Neues beginnt und lässt Türen, wo die Geschichte fortfließt.

Der Titel ist das Dach des Ganzen, die Szenen seine Fenster. Treppen hinauf führen ins unbekannte Wagnis, solche hinunter kehren zurück auf vertrauten Grund. So steigt und fällt die Spannung, während man das Haus durchquert, entdeckt im einen Raum mehr und im anderen weniger.

Und ist das Handwerk einmal fertiggestellt, die letzten Schliffe getan, betrachtet man sein Werk voll kritischer Freude, sucht nach Einsturzgefahren, Rissen oder schiefem Pfusch, bevor man einem anderen den Schlüssel in die Hand legt und ihm erlaubt, auf eigenen Füßen sein geschaffenes Reich zu erkunden.

Und manches Mal empfindet man den anderen gar als Eindringling, der durchwühlt und packt, wessen Tür man allein doch von sich selbst vollkommen zu öffnen für möglich hielt.