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Im ersten Beitrag zum Thema »Fotografieren lernen« ging es um den Aufbau von Kameras und Objektiven und du hast schon mal einige wichtige Begriffe wie Brennweite und Bildwinkel gehört. Heute beschäftigen wir uns mit weiteren sehr wichtigen Parametern: Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit.

Fangen wir mit dem ersten Parameter, der Belichtungszeit an.

Belichtungszeit

Bisher hast du etwas über die Eigenschaften unterschiedlicher Brennweiten bzw. Objektive erfahren. Jetzt geht es um weitere wichtige Parameter, die dir helfen, ein tolles Foto entstehen zu lassen. Der erste dieser Parameter ist die Belichtungszeit.

Es gilt die folgende Definition:

Die Belichtungszeit regelt, wie lange Licht durch das Objektiv auf den Sensor fällt.

Belichtungszeiten werden in Sekunden oder Bruchteilen davon angegeben. Typisch sind zum Beispiel 1/1000s, 1/500s, 1/30s usw. . Je kleiner die Zahl unter dem Bruch ist, desto länger wird die Zeit.

Merke: Eine Verdopplung der Belichtungszeit verdoppelt auch die einfallende Lichtmenge. Halbierst Du die Belichtungszeit, trifft auch nur die Hälfte des Lichtes auf den Sensor.

Fotografieren ohne zu verwackeln

Sicher hast du schon einmal bemerkt, dass es bei längeren Brennweiten schwerfällt, ein Foto nicht zu verwackeln. Falls nicht, probiere es aus: Nimm deine Kamera zur Hand und schau zuerst bei kurzer Brennweite (z. B. 24 mm) durch den Sucher. Das Bild wird sehr ruhig wirken. Sieh danach bei langer Brennweite (z. B. 200 mm) noch einmal durch den Sucher. Du wirst merken, dass es jetzt nicht mehr so einfach ist, das Bild ruhig zu halten.

Dieser Effekt ist normal, weil du dich schon allein durch Atmung und Herzschlag immer leicht bewegst. Deine Aufgabe ist es jetzt, dieses Schwanken auszugleichen.

Um verwacklungsfrei aus der Hand zu fotografieren, hilft dir die folgende vereinfachte Rechnung:

Wie stelle ich die Belichtungszeit an meiner Kamera ein?

Gewöhnlich heißt das Programm, über das du die Zeit an deiner Kamera einstellen kannst, Tv oder S. Hast du die Belichtungszeit festgelegt, stellt die Kamera in diesem Modus automatisch die Werte für Blende und (bei ISO-Automatik) auch den ISO-Wert passend ein.

Falls im Sucher oder auf dem Display der Wert der Blende anfängt zu blinken, dann kann die Kamera keine passende Blende für die gewählte Belichtungszeit einstellen und das Bild wird falsch belichtet. Schaue dazu unter ISO-Empfindlichkeit.

Merke: Durch bewusste Veränderung der Belichtungszeit kannst du Bewegungen eines Motives sichtbar machen und für die Bildgestaltung nutzen.

Dabei gilt:

  • kurze Belichtungszeit = eine Bewegung wird eingefroren
  • lange Belichtungszeit = eine Bewegung wird verwischt dargestellt

Einfrieren von Bewegung durch eine sehr kurze Belichtungszeit

In der Regel wirst du ein scharfes Foto von einem sich bewegenden Motiv machen wollen, zum Beispiel einem herumtollenden Kind oder Haustier.

Die passende Belichtungszeit ist immer von der Geschwindigkeit des Motivs abhängig. Denn je schneller ein Objekt, desto größer ist der Weg, den es in einer bestimmten Zeit zurücklegt. Du musst dich hier einfach durch viel Übung herantasten.

Sichtbar machen von Bewegung durch eine lange Belichtungszeit

Lange Belichtungszeiten bewirken immer, dass ein Motiv in Bewegung »verwischt«. Dieser Effekt kann zum Beispiel bei der Abbildung von fließendem Wasser reizvoll sein.

Die Belichtungszeit lässt sich jedoch ohne Hilfsmittel nicht beliebig verlängern. Irgendwann ist das Bild entweder völlig überbelichtet oder eine Verlängerung ist nicht mehr möglich, weil die von der Zeit abhängige Blende nicht weiter geschlossen werden kann. In diesen Fällen kommen dann Graufilter zum Einsatz, um das einfallende Licht zu reduzieren. Eine Alternative wäre, zu warten, bis weniger Licht vorhanden ist (z. B. in der Dämmerung). Bei Langzeitbelichtungen solltest du zudem grundsätzlich mit Stativ arbeiten, da ansonsten immer Verwacklungen auftreten werden.

Blende

Mithilfe der Blende kann der Lichtdurchlass verändert werden. Die Blende besteht dabei meist aus kreisförmig angeordneten und ineinander verschiebbaren Lamellenblechen, deren Öffnung entweder enger oder weiter gestellt wird und somit unterschiedlich viel Licht hindurchlässt.

Die Blende wird anhand folgender Formel als das Verhältnis der Brennweite zur Blendenöffnung des Objektivs ermittelt:

Tipp! Spricht man von einer »großen« oder »kleinen« Blende ist oft nicht klar, ob die Blendenzahl oder der Öffnungsdurchmesser gemeint ist. Daher empfehle ich, besser von einer offenen oder geschlossenen Blende zu sprechen.

Die Blendenreihe

Durch Einstellung der Blende kontrollierst du also die einfallende Lichtmenge durch Vergrößern bzw. Verringern der Öffnung. Es gilt dabei: Je kleiner die Blendenzahl, desto größer die Öffnung und umso mehr Licht fällt ein.

Für das bewusste Arbeiten mit der Blende existiert die sogenannte Blendenreihe. Sie beginnt mit Blende f/1 und setzt sich wie folgt fort:

1 … 1,4 … 2 … 2,8 … 4 … 5,6 … 8 … 11 …16 … 22 … 32 …

Vielleicht ist dir beim Lesen direkt aufgefallen, dass diese Reihe einer ganz simplen Regel folgt, die du dir leicht merken kannst. Denn der jeweils nächste Wert ist stets das Doppelte des vorhergegangenen. Sieh es dir noch mal genau an:

Wir beginnen mit Blende f/1 und setzen als nächsten ganzen Wert Blende f/1,4. Das ist die einzige Hürde, die du dir merken musst! Darauf folgt die Blende f/2 (= das Doppelte von 1). Auf Blende f/2 folgte jetzt Blende f/2,8 (= das Doppelte von 1,4) usw.

Also noch mal etwas anschaulicher:

11,422,845,6811162232

Die Blendenreihe ist wichtig, weil jeder Schritt zwischen den Blendenzahlen eine Verdopplung bzw. Halbierung der einfallenden Lichtmenge bedeutet.

Wie stelle ich die Blende an meiner Kamera ein?

An deiner Kamera lässt sich die gewünschte Blende im Programm Av / A einstellen. Dir werden dann verschiedene Blendenwerte angezeigt, z. B.: 4, 4.5, 5.0, 5.6, 6.3, 7.1, 8, …, die Du mit dem jeweils verwendeten Objektiv einstellen kannst.

Außen auf deinem Objektiv ist jeweils die kleinste Blendenzahl angegeben. Sie bezeichnet die sogenannte Offenblende – also den Wert der größtmöglichen Öffnung, bei der das meiste Licht einfallen kann.

Beispiele:

50mm 1:1.8 – Objektiv mit 50 mm Brennweite und einer Offenblende von f/1.8.

70-200mm 1:4 – 5.6 (bei Zoomobjektiven) – Brennweitenbereich und die jeweilig Offenblende, hier also 70 mm mit f4 und 200 mm mit f/5.6.

Merke:

  • Öffnest du die Blende um einen ganzen Wert (z. B. f/5.6 auf f/4) fällt doppelt so viel Licht ein.
  • Schließt du die Blende um einen ganzen Wert (z. B. f/4 auf f/5.6) halbiert sich die einfallende Lichtmenge.

Moderne Kameras und Objektive können die Blende in Drittel-Werten einstellen. Das kannst du aber zu Beginn vernachlässigen, denn nur ganze Blendenschritte verdoppeln oder halbieren die Lichtmenge.

Bildgestaltung mithilfe der Blende

Durch das Öffnen oder Schließen der Blende hast du die Möglichkeit, die Schärfentiefe im Bild zu kontrollieren.

So kannst du mit weit offener Blende Vorder- und Hintergrund ausblenden und Motive sehr schön freistellen. Fokus und selektive Schärfe liegen konzentriert auf dem Motiv. Wichtig ist dabei, dass das Motiv einigermaßen weit vom Hintergrund entfernt ist. Außerdem solltest du hierfür eine längere Brennweite nutzen. Mit Weitwinkelobjektiven ist der Effekt nicht zu erreichen.

Bei geschlossener Blende wird das gesamte Bild mit Vorder- und Hintergrund scharf dargestellt. Das macht nur dann Sinn, wenn alle Details des Bildes wichtig sind, wie beispielsweise in der Landschafts- oder Produktfotografie. Ansonsten wirkt das Foto wegen der vielen Details sehr unruhig.

Merke: Je offener die Blende, desto unschärfer werden Vorder- und Hintergrund. Dieser Effekt verstärkt sich, je länger die Brennweite und je weiter entfernt der Hintergrund ist.

Zusammenspiel von Blende und Belichtungszeit

Damit ein Foto korrekt belichtet wird, ist eine ganz bestimmte Menge an Licht notwendig. Du kennst jetzt zwei Wege, wie du den Lichteinfall auf den Sensor regeln kannst:

  1. Du wählst lange oder kurze Belichtungszeiten und lässt damit mehr oder weniger Licht einfallen
  2. Du kontrollierst die einfallende Lichtmenge über Öffnen oder Schließen der Blende.

Blende und Belichtungszeit hängen unmittelbar zusammen.

Schließt du die Blende und lässt du nur wenig Licht einfallen, musst du eine entsprechend lange Belichtungszeit wählen, um genügend Licht für dein Foto zu sammeln.

Fällt bei einer offenen Blende hingegen viel Licht ein, reicht eine kurze Belichtungszeit, um genügend Licht für das Foto zu erhalten.

Beispiel:

Verdoppelst Du die Belichtungszeit von 1/500s auf 1/250s, dann lässt Du doppelt so viel Licht auf den Sensor fallen und kannst die Blende um einen ganzen Wert z. B. von Blende f4 auf Blende f5.6 schließen.

Sowohl mit der Kombination Belichtungszeit 1/500s und Blende f/4 als auch Belichtungszeit 1/250s und Blende f/5.6 wird das Bild korrekt belichtet sein.

Fotografieren: Zusammenspiel von Blende und Belichtungszeit

ISO-Empfindlichkeit

Mit der ISO-Empfindlichkeit sprechen wir über einen dritten wichtigen Parameter für deine Bildgestaltung.

Die Empfindlichkeit (ISO) gibt nämlich an, wie stark der Sensor der Kamera auf das einfallende Licht reagiert. Hierbei gilt, je höher der ISO-Wert, desto lichtempfindlicher ist der Sensor.

Merke: Je höher die Empfindlichkeit des Sensors eingestellt ist, umso stärker ist auch das störende Bildrauschen. Deshalb sollte der ISO-Wert nur so hoch wie nötig und so gering wie möglich gewählt werden.

Die ISO-Reihe

Auch bei der ISO-Reihe zeigt sich wieder das bekannte Prinzip der Verdopplung. Denn die Erhöhung des ISO-Wertes um eine (ganze) Stufe verdoppelt ebenfalls die Empfindlichkeit des Sensors.

100 … 200 … 400 … 800 … 1600 … 3200 … 6400

Zusammenspiel von Blende, Belichtungszeit und ISO

Die drei Werte Belichtungszeit t, Blende f & Empfindlichkeit ISO stehen in direktem Zusammenhang.

Du weißt bereits:

  • Eine Verdopplung der Zeit bewirkt eine Verdopplung der einfallenden Lichtmenge.
  • Öffnen wir die Blenden um einen ganzen Wert, verdoppeln wir die einfallende Lichtmenge.
  • Die Erhöhung der Empfindlichkeit um einen ganzen Wert verdoppelt die Empfindlichkeit des Sensors.

ISO und Blende

Manchmal kann es sinnvoll sein, die Blende zu schließen. Zum Beispiel wenn Schärfentiefe im Bild wichtig ist, wie bei einem Gruppenfoto, damit auch die Personen weiter hinten scharf abgebildet werden.

Als Beispiel:

Ein Bild wäre mit der Kombination ISO100 mit Blende f/4 und einer Zeit von 1/60 Sek. korrekt belichtet.

Jetzt willst du die Blende schließen, um mehr Schärfentiefe zu erreichen. Beim Schließen der Blende auf f/8 verlängert sich aber die Belichtungszeit auf 1/15 Sek. und ist zu lang, um das Foto nicht zu verwackeln.

Willst du also bei identischer Belichtungszeit die Blende um 2 ganze Schritte zum Beispiel von f/4 auf f/8 schließen, musst du den ISO-Wert um 2 ganze Werte von ISO100 auf ISO400 erhöhen.

ISO und Belichtungszeit

Ebenso kannst du die Belichtungszeit deines Fotos über eine Änderung des ISO-Wertes beeinflussen. Zum Beispiel, wenn du ein rennendes Kind fotografieren möchtest.

Bei ISO100 und offener Blende von f4 wäre die korrekte Belichtungszeit 1/15 Sek. . Du hast jedoch bereits erfahren, dass eine Bewegung bei dieser langen Belichtungszeit nicht eingefroren wird. Du musst also die Belichtungszeit verkürzen.

Vielleicht hast du durch Herumexperimentieren schon herausgefunden, dass eine Belichtunszeit von 1/250 Sek. ausreicht, um die Bewegung einzufrieren. Wie kommst du also von 1/15 Sek. auf eine Zeit von 1/250 Sek.?

1/15 –> 1/30 (1x)–> 1/60 (2x)–> 1/125 (3x)–> 1/250 (4x)

Da die Ursprungszeit 4x halbiert wurde, musst du den ISO-Wert entsprechend 4x erhöhen:

ISO100 –> 200 (1x)–> 400 (2x)–> 800 (3x)–> ISO 1600 (4x)

Und damit sind wir mit den wichtigsten Parametern Blende, Belichtungszeit und ISO zum Fotografieren lernen durch.

Mit diesem Wissen kannst du jetzt deine Bilder bewusst gestalten und flexibel auf die gerade herrschenden Lichtverhältnisse reagieren.

Hier findest du alles Wichtige zu Blende, ISO und Belichtungszeit noch einmal als Merkblatt.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren und Fotos machen!

Fotografie: Blende, Belichtungszeit, ISO

Meine zweite absolute Leidenschaft neben dem Schreiben ist das Fotografieren. Dazu stehe ich sogar am Wochenende gern sehr früh auf, schnappe mir meine Kamera und auf geht’s in die Natur. Ich liebe die morgendliche Stille, wenn noch nicht so viele Menschen durch den Tag »lärmen« und Vögel und andere Tiere sich eher zeigen. Dann lege ich mich auf die Lauer und beobachte, genieße den sanften Wind und die aufgehende Sonne.

In den nächsten Wochen möchte ich dir ein paar Grundlagen näherbringen, falls du selbst das Fotografieren lernen möchtest. Denn hat man die erstmal verstanden, ist alles andere einfach Übungssache.

In diesem Beitrag gehen wir daher zunächst auf den Aufbau einer Kamera und die Objektive ein.

Fangen wir an!

Grundaufbau einer Kamera

Als erstes beschäftigen wir uns mit dem Aufbau einer Kamera.

Uhh! Technik, denkst du jetzt vielleicht. Aber ganz ohne geht es nun mal nicht. Ich werde diesen Abschnitt so kurz wie möglich halten.

Jede Kamera besteht grundlegend aus zwei wichtigen Bestandteilen, damit ein Bild eingefangen und abgespeichert werden kann.

Das Bild »einfangen«

Eingefangen wird das Bild durch das Objektiv der Kamera. Dieses besteht in der Regel aus mehreren unterschiedlich geschliffenen Glas- oder Kunststoff-Linsen.

Das Bild »abspeichern«

Der zweite und wichtige Bestandteil einer Kamera ist die Einheit, die das eingefangene Bild abspeichert. Das waren früher spezielle lichtempfindliche Filme, die aufwändig entwickelt werden mussten.

Inzwischen speichern moderne Digitalkameras das eingefangene Bild mittels eines elektronischen Sensors als Datei auf einer entsprechenden Speicherkarte. Dadurch kannst du das Bild später an einem beliebigen Computer weiterverarbeiten.

Wir gehen im Weiteren von einer modernen Digitalkamera mit Sensor aus. Das Prinzip gilt aber auch bei älteren Kameras, die noch mit Film arbeiten.

Damit ein Bild auf einem Sensor festgehalten werden kann, darf ausschließlich das Licht des Motivs auf den Sensor treffen. Deshalb besteht eine Kamera immer aus einem lichtdichten Gehäuse, durch das nur an einer einzigen Stelle – nämlich durch das Objektiv – Licht einfallen kann.

Das Licht trifft nun durch das Objektiv auf den hinteren Teil des Gehäuses, wo sich der Sensor befindet. Über den Verschluss lässt sich dabei die Zeitdauer einstellen, in der das Licht durch das Objektiv auf die Kamerarückwand fällt.

Die unterschiedlichen Kameratypen

Trotz Digitalisierung arbeiten auch bei Digitalkameras noch viele Bauelemente rein analog. Welches System bzw. welchen Kameratyp du bevorzugst, hängt von deinen subjektiven Vorlieben ab.

Im Grunde gibt es drei verschiedene Typen von Kameras:

  1. DSLR – digitale Spiegelreflexkameras
  2. Systemkameras
  3. Bridge- und Kompaktkameras

Diese Unterteilung lässt sich sicher noch verfeinern. Hier soll sie uns aber genügen.

Jetzt wird es kurz noch mal etwas technisch. Sorry 😉

Digitale Spiegelreflexkamera

Die Spiegelreflexkamera besitzt einen halbdurchlässigen Spiegel, der sich vor dem Verschluss befindet. Vor dem Spiegel befindet sich das Bajonett, um unterschiedliche Objektive aufzunehmen. Diese Objektive ermöglichen es, die optischen Eigenschaften der Kamera zu verändern.

Das durch das Objektiv fallende Licht wird zum Teil nach oben auf eine Mattscheibe gelenkt, die denselben Abstand hat wie der Sensor. Dort steht das Bild auf dem Kopf und ist seitenverkehrt. Oberhalb der Mattscheibe wird das Bild der Mattscheibe über ein Prisma wieder seitenrichtig gestellt. Daher haben Spiegelreflexkameras stets diesen typischen »Aufsatz« oben auf der Kamera, der den optischen Sucher bildet. Denn in diesem befindet sich der Sensor für die Belichtungsmessung.

Der zweite Teil des einfallenden Lichts passiert den Spiegel und wird durch einen weiteren Spiegel zum Kameraboden gelenkt, wo sich der Sensor für die Schärfemessung befindet.

Solange Du durch den (optischen) Sucher schaust, befindet sich der Spiegel vor dem Bildsensor, der zudem von einem mechanischen Verschluss bedeckt ist. Wenn Du eine Aufnahme machen möchtest, klappt der Spiegel nach oben. Dann öffnet sich der Verschluss und lässt das Licht auf den Bildsensor fallen.

Kompakt- und Bridgekamera

Die Kompaktkamera bildet das Gegenstück zur DSLR und ist deutlich kleiner. Sie besitzt keinen Spiegel und auch keinen Spiegelkasten. Das Objektiv ist bei Kompakt- und Bridgekameras fest verbaut und lässt sich nicht wechseln. Aus diesem Grund haben diese integrierten Objektive oft einen relativ großen Zoombereich. Bei vielen Modellen existiert auch kein Sucher, stattdessen wird das Display auf der Rückseite als Sucher verwendet. Die Bedeutung dieses Kameratyps nimmt heutzutage ab, da Smartphones – die man ohnehin meist bei sich trägt – inzwischen teils bessere Leistung haben.

Sobald die Kamera eingeschaltet ist, wird der Sensor dauerhaft mit Licht beaufschlagt, um den elektronischen Sucher (EVR) mit dem Bild zu versorgen. Belichtung und Schärfemessung erfolgen ebenso über den elektronischen Sucher. Die Lichtmenge wird dabei über einen elektronischen Verschluss bemessen und gespeichert.

Systemkamera

Systemkameras stellen eine Mischform aus DSLR und Bridgekamera dar. Sie besitzen weder Spiegel, noch Spiegelkasten oder mechanischen Verschluss. Dafür lassen sich bei Systemkameras die Objektive wechseln, die aufgrund des fehlenden Spiegelkastens kleiner ausfallen.

Moderne Systemkameras sind qualitativ und funktional auf dem Niveau der DSLR und treten zu ihnen in Konkurrenz. Über Adapter haben sie sich die gesamte Objektivwelt erschlossen.

Das Objektiv

Ein Objektiv besteht in der Regel aus einer Kombination mehrerer Linsen und hat je nach Bauart unterschiedliche Eigenschaften. Diese dienen grundsätzlich dazu, das Licht des Motivs zu bündeln und so auf die Kamerarückwand zu projizieren, dass ein möglichst fehlerfreies und scharfes Bild entsteht.

Zwei grundlegende Arten von Objektiven

Eine Unterscheidung von Objektiven kann nach Bauart oder Objektiveigenschaften erfolgen. Grundlegend gibt es zwei verschiedene Bauarten:

Festbrennweite

Bei einem Festbrennweiten-Objektiv sind die Linsen fest im Objektivgehäuse verbaut. Sie bilden immer den gleichen Bildausschnitt ab. Es ist also nicht möglich, in ein Bild hineinzuzoomen.

Vorteil der Festbrennweite ist eine höhere Abbildungsqualität und weniger Bildfehler, da die Linsen des Objektivs genau an den für eine optimale Abbildungsleistung errechneten Stellen sitzen.

Zoomobjektiv

Ein Zoomobjektiv besteht aus einzelnen Linsengruppen, die im Objektivgehäuse flexibel gegeneinander verschoben werden können. Dadurch lässt sich in das Bild hineinzoomen und ein passender Bildausschnitt wählen.

Zoomobjektive sind also im Vergleich zu den Festbrennweiten flexibler. Das nützt zum Beispiel, wenn das Motiv sehr weit entfernt ist und ich keine Möglichkeit habe, näher heran zu kommen.

Zoomobjektive weisen allerdings meist eine schlechtere Bildqualität auf.

Die Brennweite

Wahrscheinlich sind dir auch schon die mm-Angaben auf Objektiven aufgefallen. Um deren Bedeutung zu verstehen, widmen wir uns nun dem Begriff der »Brennweite«.

Für das einfache Verständnis genügt uns folgende Definition:

Die Brennweite definiert den auf dem Foto sichtbaren Bildwinkel. Sie gibt also an, wie viel »Umgebung« ich auf dem Foto abbilden kann.

Merke: Je kleiner die Angabe der Brennweite ist, umso mehr kannst Du auf dem Foto abbilden. Die Brennweite wird immer in Millimetern angegeben; der entsprechende Wert ist auf dem Objektiv vermerkt.

Gängige Brennweiten von Festbrennweiten-Objektiven sind z.B. 35 mm, 50 mm, 85 mm oder 105 mm. Gängige Zoomobjektive haben Brennweitenbereiche zwischen 17-40 mm, 24-105 mm oder 70-200 mm.

Du weißt jetzt also, dass du mit verschiedenen Brennweiten unterschiedlich viel Bild fotografieren kannst, wobei gilt: Je kürzer die Brennweite (= kleiner Wert), desto größer der Bildwinkel.

Objektivarten

In Abhängigkeit vom Bildwinkel werden verschiedene Arten von Objektiven unterschieden, die sich an der natürlichen Sicht des menschlichen Auges orientieren.

  • Normalobjektive
  • Weitwinkelobjektive
  • Teleobjektive

Weitwinkelobjektive und ihre Eigenschaften

Weitwinkelobjektive bilden einen im Vergleich zum natürlichen Seh-Eindruck des Auges größeren Bildwinkel ab.

Folgende Merkmale sind typisch für Weitwinkelobjektive:

  • ein großer Bildwinkel
  • ermöglicht geringen Abstand zum Motiv
  • Motiv mit viel Hintergrund
  • die Bildebenen werden auseinander gezogen, der Abstand des Motivs zum Hintergrund wirkt dadurch größer
  • eine fast durchgängige Schärfe im Foto
  • in den Randbereichen tritt eine starke optische Verzerrung auf

Normalobjektive und ihre Eigenschaften

Bei Normalobjektiven entsprechen Brennweite und Bildwinkel in etwa dem natürlichen Seh-Eindruck.

Folgende Merkmale sind typisch für Normalobjektive:

  • der Bildwinkel entspricht ungefähr dem menschlichen Blickfeld
  • die Tiefenwirkung entspricht der menschlichen Wahrnehmung
  • Objekte werden in realistischen Größenverhältnissen abgebildet
  • weitestgehend verzerrungsfrei

Teleobjektive und ihre Eigenschaften

Teleobjektive haben einen sehr kleinen Bildwinkel und können daher auch nur einen sehr kleinen Bildausschnitt abbilden.

Folgende Merkmale sind typisch für Teleobjektive:

  • weit entfernte Motive werden vergrößert
  • ermöglichen einen großen Abstand zum Motiv
  • der Hintergrund um das Motiv herum wird ausgeblendet
  • komprimiert die Bildebenen, der Hintergrund wirkt somit sehr nah
  • Abstände zwischen hintereinander liegenden Motiven erscheint geringer
  • Vorder- und Hintergrund werden unscharf (= geringere Schärfentiefe)

So – jetzt kennst du dich schon ein bisschen mit den unterschiedlichen Kameratypen und Objektiven aus und weißt, wie diese aufgebaut sind. Und damit enden wir für dieses Mal.

Wie geht es weiter?

Im Beitrag der nächsten Woche gehen wir dann auf ein paar wichtige Parameter ein, die dir helfen, tolle Fotos zu machen: Blende, Belichtungszeit und ISO.

Also, lies dich wieder rein!

Bis dann.

Fotografieren lernen - Grundlagen 1: Der Aufbau von Kameras und Objektiven

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