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Tief unter dem Stein liegt ihre Heimat, denn aus hartem Stein hat der Shana Ghorza sie in den Anfängen der Zeit geformt und ihnen Leben eingehaucht.

Ihr Volk ist eng mit den Tallocs verwandt, die in den Labyrinthhöhlen unterhalb der Weinenden Hügel Likhanas leben. Doch gibt es auch Unterschiede in ihrer Wesensart. Denn das Gestein scheint nicht nur die Außengrenzen der Ghorrocs abzuschirmen. Auch, was ihre eigenen Belange betrifft, zeigen sie sich hart und lassen sich ungern von anderen reinreden.

Die Steinlinge sind von kleiner aber stämmiger Statur, ihre Gesichter grimmig und rau wie der Fels, aus dem sie gemacht sind, mit Krausbärten und langem Haupthaar, in das sie oft Metallperlen flechten.

Gesellschaftssystem

Zuoberst herrscht das Thrôn-Blut, ein Rat der Ältesten, mit dem König an der Spitze. Darunter existieren unterschiedliche Kasten:

Dur Vrongar: die Kriegerschar, ihr Anführer Hulric Hrodulfshold ist zugleich Erster Krieger der Throngarde
Dur Volgrist: die Sudbrauer; ihr Oberster ist Alwyd Andulfshold
Dur Kurstrim: die Sektion der Heilskundler, geführt von Nafandi Nojalshold
Dur Girstrim: die Erzgilde, geleitet von Fimbor Furishold
Dur Skaldrim: der Meisterblock der Rüstschmiede mit Ulfrim Ulfrastshold als Erstem Schmied
Dur Dragast: der Bund der Steinschleifer, Erster Erbauer ist Alfsvald Alfurshold

Verwirrendes Brauchtum

Der Name der Steinlinge setzt sich aus dem Vornamen und dem Zusatz „Sohn des …“ zusammen. So heißt der König-unter-dem-Fels Thrôndasch Thrôndurshold, denn Thrôndur hieß sein Vater.

Bei offiziellen Anlässen werden sowohl Vater- als auch Muttername genannt, was dann Thrôndasch Thrôndurgrundilshold lauten würde, denn Grundil war Thrôndaschs Mutter.

Noch komplizierter wird es, wenn der besagte Steinling dem Thrôn-Blut angehört. Denn den Angehörigen der Königsfamilie gebührt es, stets bei vollem Vater- und Mutternamen genannt zu werden. Eine Ausnahme gilt wiederum für entfernte Verwandte, bei denen diese Ehrbekundung nicht nötig erscheint.

Bei ganz besonderen Feierlichkeiten wird auch noch der jeweilige Ehrenname, der zum Beispiel durch ruhmreiches Kampfgeschick erlangt wurde, hinzugefügt. Die derart wohl langwierigste Ausführung stellt das Rakardrathnîn dar, eine Ruhmbezeugung auf die Toten, die bei jedem Fest zwingend stattfindet und nicht selten die Geduld fremder Kulturen auf die Probe stellt. Doch wer es wagt, die Rituale der Ghorrocs zu stören, zieht den Zorn des Königs und des gesamten Steinernen Volkes auf sich. Und dieser ist ebenso beständig wie das Gestein, das sie umgibt.

Es mag für Außenstehende nicht so klingen, aber tatsächlich gebrauchen die Steinlinge – wenn auch unwillig – ihnen gegenüber meist kürzere und einfachere Namensversionen zur Verständigung. Nichtsdestotrotz bleibt ihre Sprache ein Mischmasch aus harten, abgehackten Lauten und Zungenknoten.

Die Steinernen Reiche

Ghorzad’dûm in den Eisenbergen ist die imposanteste Heimstätte der Ghorrocs. Seit einhundertzwanzig Jahren regiert dort Thrôndasch Thrôndurshold als König-unter-dem-Fels. Thrôndaschs Tor, glatt wie geschliffenes Glas und schimmernd in Silber und Rot, birgt den einzigen Zugang zu den Hallen aus Stein.

Thrak Tortha An Dûm Khar Mora. Nall Vanimbor. Kheldasch Gandur. Fêreun Ar Thr. Dies ist das Tor zu den Hallen der großen Erbauer. Die Meister schmiedeten es. Die Krieger wachen darüber. Im Blut eint sich der Treuen Wahrheit.

Das Steinerne Reich ist ein Geflecht aus breiteren Wehrstraßen und schmaleren Werksstraßen, die nach den verschiedenen Gilden und Zünften benannt sind. Die breitesten und höchsten Tunnel werden Erzringe genannt und bilden ein meilenweit in den Berg gegrabenes Netz, dessen einzelne Glieder sich auf insgesamt sechs Sohlen überlappen oder unterführen. Die Erzringe dienen mit ihren mächtigen Schienensträngen als Haupttransportwege. An ihren Knotenpunkten liegen die Großen Hallen der Erbauer.

Eine zweite Gruppe von Ghorrocs ging vor Hunderten von Jahren Bindungen mit den Menschen der Wildernis ein und lebt seitdem in den frostigen Kämmen und den Eisigen Hallen Is‘kândrins, mit Frôthrak als ihrem König, dem König-unter-dem-Eis. Fremd sind sie den Menschen und fremd den Sitten und Gesetzen ihrer Stammväter, rau wie die Nordwinde in den kalten Winternächten.

Eine dritte Spaltung vollzog sich, als ein Ältester der Dur Girstrim mit sieben Gefährten die Hallen Ghorzad’dûms verließ, um Kenntnisse in den Weiten der Welt zu ergründen. Unter den Sichelzipfeln in den östlichen Frostbergen schufen sie die Glitzernden Pforten von Azkar’dûn. Adalbor Albrandshold war der letzte König-unter-der-Sichel. Er starb vor über achtzig Jahren und seitdem liegen seine Hallen verlassen.

Das heutige Zeitalter

Das Steinerne Volk gehört durch Thrôndurs Schwur dem Bund der Treuen an, den die Freien Völker Shaendâras ablegten, um gemeinsam den grausigen Schatten des Zweiten Zeitalters zu bezwingen.

Aus diesem Grund führt der Erzmagier Albwin die Gemeinschaft nach Ghorzad’dûm, um Hilfe und eine Erneuerung des Eides durch König Thrôndasch zu erbitten. Nicht zuletzt, da die Steinlinge über ein kostbares magisches Artefakt wachen – den Zitterdolch.

Doch die Ankunft von Elyjas und seinen Gefährten lässt das Steinerne Reich erschüttern …

Welch ein schweißtreibendes Erlebnis! Sand, Kieswüsten und dornige Steppen. Kaum Pflanzen, nur wenige Kakteenarten, spröde Gräser oder Dattelpalmen. Trockene und heiße Winde fegen ganzjährig über das Land, die Temperaturen steigen im Sommer über vierzig Grad.

Im Nordosten Tâlameths erstreckt sich über weite Meilen die Fas Daran, das Sandige Meer, mit endlos scheinenden, feurig schimmernden Dünen.
Der Nomadenstamm der Daraner treibt seine Karawanen fast ganzjährig von Jar’Dorrh und Kel’Aydhar westwärts in die Städte der Tûlla, um Handel zu treiben.
Früher reisten ihre Co’Sor bis ins nördliche Falias und gelegentlich darüber hinaus nach Kaldun oder gar bis an die Grenzen des Königreiches Drâea oder in entgegengesetzter Richtung durch die Freie Weite. Doch das ist lange her.

Die Tûlla und das Vergessen

Die nördlichste Stadt der Tûlla ist Jal’Dharbheira an der Küste zur Bucht der rauen Wogen. Gegründet wurde jene Ansiedlung jedoch von den Enwaren unter dem früheren Namen Aza’Dhaan.

Die Erben Enwas‘ erschufen im Ersten Zeitalter das magische Hochzentrum Shaendâras in jenem Gebiet, das heute als Enwaerûn bekannt ist und nördlich an Tâlameth grenzt. Einige von ihnen zogen später weiter nach Südosten, wo sie die Akademie des treuen Pfades gründeten, die lange Zeit größte Magische Schule Shaendâras. An der Pforte lautete ihr Sinnspruch: »Aus dem Dunkel ins Licht«. Lange wuchsen hier die Lehren und die Weisheit der Shana.

Im Laufe der späteren Zeitalter wurden die Akademie und Teile der Siedlung am Fuße der Klippen durch die Macht des Schattens zerstört. Heute existieren nur noch das Kastell der Bücher, das Haus der Gesänge und das Haus des starren Wanderers. Der Wächter des Schlüssels hütet ihr kostbares Wissen.

Unter den sich zunehmend dort ansiedelnden Tûlla dehnte sich die alte Stadt immer weiter nach Süden aus. Der Hafen wuchs ebenso wie das Armenviertel im Osten. Die Ruinen auf den Klippen hingegen gerieten in Vergessenheit und bald hörten die Menschen nur noch den Namen, den die Tûlla ihrer neuen Heimat gaben – Jal’Dharbheira.

Wie in Jal’Dharbheira regiert auch im südlich gelegenen Ajjadûr kein offizieller Statthalter. Tatsächlich werden beide Städte aber von den Nabril, reichen Kaufleuten, die sich selbst als »edle Herren« erhoben haben, beherrscht. Sie kennen nur ihre eigenen Interessen, das Leid des armen Volkes ist ihnen gleichgültig.

Eine dritte Stadt liegt an der südlichen Westküste von Tâlameth.

Dràochs Enkel Gebor und dessen Nachkommen waren die ersten, die diesen Ort besiedelten. Hier erbauten sie den Tempel der Seher und bewahrten das Wissen ihres Ahnen. Ihre Gemeinschaft ist unter den treuen Völkern als Alte Sippe bekannt – denn ihr Wissen überragt selbst das ihrer eigenen ältesten Weisen. Ihre Gabe wohnt jedoch in diesem Zeitalter nur noch wenigen inne.

Wer nach Tagris Mor gelangen will, nimmt eine gefährliche Reise auf sich, denn der Weg führt geradewegs durch das Tal von Far Dhembe, den Zahnigen Schlund. Weißer Sand, aus dem Hunderte eckiger Kalksandsteinsäulen ragen, bedeckt jenes Gebiet. Wer nicht Acht gibt, wohin er seine Füße setzt, versinkt im Treibsand und nur wenige Spuren kehren je zurück ans Tageslicht. Unter den Tûlla kursiert derweil ein zweiter Name für Far Dhembe: Knochenwürger.

Das verschwundene Land

Bis zum Ende des Zweiten Zeitalters dehnte sich im Südosten des Wüstenreiches die Freie Weite aus. Zur damaligen Zeit konnten Karawanen den Weg bis nach Xh’llor zu Fuß zurücklegen.

Doch der Landarm versank nach dem gewaltigen Erdbeben, das die Große Schlacht im Krieg gegen den Schatten mit sich brachte und das auch Enwaerûn und andere Landstriche verbrennen ließ, in der Sturmsee.

Auch die Inselgruppe der Sieben Schwestern vor der Südküste Tâlameths erzitterte. Nur die größte Insel Nir hielt stand, während die anderen sechs untergingen. Sie wird seitdem Innis Aonar – die Einsame Insel – genannt.

Der Schwarze Kessel

Xh’llor, einst im Süden der Freien Weite, überlebte das Große Beben ebenfalls.

Die dunkle Stadt thront einsam auf einer Landspitze, gänzlich dem Schatten anheimgefallen. Tag und Nacht machen dort keinen Unterschied und die tosenden Winde, die von der Sturmsee her wehen, können die schwelende Hitze in den Straßen nicht vertreiben.

Im Westen, Süden und Osten kesseln wuchtige Berge die Stadt ein. Beiderseits des Schwarzen Hafens florieren die Sklavenmärkte der Dystri. Ihr Zentrum liegt am Schattengrund, dessen pechschwarze Türme sich wie Krallen über die Stadt krümmen.

Ein wahrlich unheimlicher Ort!

Im Gegensatz zu den Enwaren lautet der Sinnspruch der Xh’llori: »Im Dunkel erstarkt.« Ihr schwarzes Gift schwappt bereits nach Tâlameth über …

Grrr … mir schaudert es beim bloßen Gedanken an die finstere Stadt! Euch auch?

Beim nächsten Mal führe ich euch lieber wieder in freundlichere Gegenden.

Romanwelt Shaendâra (4): Interview mit Elyjas

Heute habe ich meinen Protagonisten Elyjas zum Interview eingeladen, der euch ein bisschen zu seinen bisherigen Abenteuern in Shaendâra berichtet.

M: Hallo, Elyjas. Schön, dass du da bist! Stell dich doch bitte erst mal vor!

E: Hi. Ich bin Elyjas Dobbins, fünfzehn Jahre alt und eigentlich ein normaler Junge, wäre ich nicht auch noch Kronprinz von Drâea, ein Sohn des Wassers und Auserwählter von Shaendâra.

M: Wow! Das sind ja ziemlich große Titel. Klingt, als hättest du richtig viel zu tun. Du bist also ein Prinz und auserwählt. Was genau bedeutet das?

E: Naja, in Shaendâra herrscht seit Jahren Krieg und laut einer Prophezeiung soll ich derjenige sein, der ihn beendet. Hat mich auch umgehauen, als ich es erfahren hab.

M: Das ist eine große Aufgabe, die sicher viel Mut und Kraft kostet.

E: Ich weiß echt nicht, wie ich das anstellen soll. Ich hab nie damit gerechnet, mich mal so etwas stellen zu müssen, obwohl ich solche Abenteuer in Büchern total gerne lese. (lächelt) Trotzdem ist es cool, in Shaendâra zu sein.

M: Wie genau bist du denn dorthin gelangt?

E: Kurz nach meinem vierzehnten Geburtstag habe ich diese Kette mit einem Runenstein unter meinem Schrank gefunden (zieht den Anhänger unter seinem Hemd hervor und zeigt ihn mir), dann hab ich so ein seltsames Funkeln im See hinter unserem Haus, in dem ich mit meiner Mutter wohnte, bemerkt und bin ans Ufer gelaufen. Der Stein hat mich ins Wasser gezogen, immer tiefer, und ich verlor das Bewusstsein. Als ich wieder aufwachte, lag ich wieder am Ufer, allerdings an einem anderen See in einer anderen Welt!

M: Das passt ja. Du meintest doch vorhin, du seist ein Sohn des Wassers.

E: Ja, der Wassergeist ist mein Elementar. Jedem Lebewesen wohnt ein Element am stärksten inne.

M: Wie macht sich das bemerkbar?

E: Ich stehe erst am Anfang der magischen Ausbildung, aber ich kann Wasser am leichtesten beeinflussen.

M: Hast du das denn schon mal gemacht?

E: Es ist mal unbewusst passiert – zum Glück. Denn es hat mir das Leben gerettet.

M: Puh! Was hast du als Erstes in Shaendâra gemacht? Bist du in Panik geraten?

E: Ich wusste ja gar nicht, wo ich war und hatte keine Ahnung, was ich tun sollte. An dem Tag war es eiskalt und es fing an, ziemlich stark zu regnen. Weit und breit kein Mensch oder Haus zu sehen. Also bin ich einfach losgelaufen, um mir ’nen Unterschlupf zu suchen. Ich kroch in eine Höhle und dort traf ich Grrruuuuargh (lächelt wehmütig). Er war der erste, dem ich in Shaendâra begegnet bin, der Häuptling der Tallocs. Sie heißen auch Zottlinge, weil sie total pelzig sind.

M: Ihr wurdet Freunde?

E: Ja. Grrruuuargh brachte mich in die Stadt Dh’Aschjar und da begann mein eigentliches Abenteuer, als Archanus Albwin mir offenbarte, dass mein Vater – den ich leider nie kennengelernt habe – der verschollene König sei und ich ein draejanischer Prinz und dazu bestimmt, den Krieg zu beenden.

M: Heftige Neuigkeiten. Und wer ist Archanus Albwin?

E: Der höchste Erzmagier in Shaendâra. Mann! Das scheint schon so lange her und seitdem ist so viel passiert.

M: Erzähl uns gerne davon.

E: Okay. Zuerst sind wir – also Albwin, zwei Freunde, unsere Wölfe und ich …

M: Moment mal! Wölfe?

E: Ja (grinst). In Dh’Aschjar ist es für einen jungen Krieger Tradition, sich einen Wolfsgefährten zu wählen. Meiner ist Farnaell.

M: Toll! Ich mag Wölfe total gerne.

E: Also – wir sind zu den Ellyllîm, das sind Elfen, im Alten Wald gereist, dann weiter zu den Tallocs und in die Stadt Tánahar. Anschließend nach Osten und durch echt gruselige Sümpfe (schüttelt sich) bis zum Klippenfels, auf dem die Drachen leben. Ja, wirklich! Wir sind sogar auf ihnen geritten. Das muss ich aber kein zweites Mal machen!

M: Auf einem Drachen reiten. Das stelle ich mir zwar toll vor, aber sicher hätte ich auch Angst gehabt.

E: Angst, runterzufallen, ja! Vor allem ist mir dabei echt schlecht geworden. Andrûs war der Einzige, der es genossen hat.

M: Andrûs ist einer deiner Freunde, richtig?

E: Mein bester Freund (schnaubt), jedenfalls war er das. Wir haben uns in Dh’Aschjar kennengelernt und er hat mich immer ermutigt, wenn ich nicht weiter wusste. Ich konnte mich stets auf ihn verlassen. Aber in letzter Zeit verhält er sich nicht wie ein Freund. Seit wir in Tâlameth waren, stimmt irgendetwas nicht mit ihm, alle merken das. Auch Albwin macht sich Sorgen um ihn.

M: Hast du Andrûs gefragt, was los ist?

E: Er weicht mir immer aus und jetzt ist er einfach verschwunden. Ohne ein Wort, obwohl er versprochen hat, dass wir das alles zusammen durchstehen. Es ist alles E’avens Schuld.

M: Und wer ist E’aven?

E: Eine der Quellschwestern aus Beth’nal’Mar, die uns begleitet. Andrûs ist in sie verknallt, deshalb scheint er alles zu glauben, was sie sagt. Und jetzt trägt ausgerechnet sie zwei der Artefakte mit sich rum!

M: Stopp! Das geht mir zu schnell. Welche Artefakte denn nun wieder?

E: Magische Gegenstände, die wir brauchen, um die Seelenflamme zu schützen. Das ist das Licht, das über alles Leben in Shaendâra wacht. Aber es ist geschwächt. Ohne die Artefakte können wir nicht gegen die Schatten bestehen. Wir haben sie quer durch Shaendâra aufgespürt und ich dachte, wir hätten alle gefunden. Aber eins fehlt noch und keiner weiß, wo es versteckt ist.

M: Dir scheint nicht wohl bei dem Gedanken, dass E’aven die übrigen Artefakte bewahrt.

E: Anfangs hatte ich nichts gegen sie. Sie war eine unserer Gefährtinnen, so wie sich noch andere uns angeschlossen haben, z. B. der Häuptling der Zodh’rra und Arik und Yorrik von den Steinlingen. Aber inzwischen traue ich ihr nicht mehr. Sie streitet die ganze Zeit über mit Albwin.

M: Wie beurteilen die anderen Mitglieder eurer Gemeinschaft diesen Zwist?

E: Ich weiß nicht (schüttelt den Kopf). Im Moment kommt es mir nicht vor, als wären wir eine Gemeinschaft. Wir sind aufgebrochen, um den Krieg zu beenden, haben gemeinsam gekämpft und … Verluste erlitten und jetzt scheint dieses Bündnis zu zerfallen, bevor wir es richtig geschmiedet haben.

M: Das klingt gar nicht gut!

E: Nein. Trotzdem werde ich nicht aufgeben! Ich will wissen, was mit meinem Vater passiert ist und wenn ich kann, werde ich das Licht nach Shaendâra zurückbringen. Auch wenn ich als Prinz nicht viel Erfahrung habe, trage ich dadurch immerhin die Verantwortung für ein Königreich und die Menschen darin. Also werde ich alles versuchen, um Frieden herzustellen.

M: Du klingst sehr entschlossen und mutig! Was willst du als Nächstes tun?

E: Mittlerweile sind wir ziemlich nah am Schattenreich und jeden Tag droht ein neuer Angriff der Rak’Zhâr. Beim letzten Mal hatten wir Glück. Ich schätze, wir werden die Stadt Dol Shâlla’d’Ain bald verlassen und durch die Ödnis nach Süden ziehen, aber nicht alle von uns. Einige sind noch zu schwer verletzt von den Kämpfen mit den Rak’Zhâr. Archanus Albwin offenbart mir nicht alles, darum weiß ich nicht genau, wie es weitergeht.

M: Das wäre für dich als den Auserwählten aber doch sehr wichtig, oder?

E: Ja, genau! Das meine ich eben auch! Es ärgert mich, dass er alles für sich behält. Wahrscheinlich, weil er mich schützen will. Dabei habe ich längst bewiesen, dass ich kein kleines Kind mehr bin. Nach der Versammlung werde ich noch einmal mit ihm reden.

M: Eine Versammlung?

E: Morgen werden die Abgesandten der Tallocs und des König-unter-dem-Berg in Dol Shalla’d’Ain erwartet. Dann sollen wir alle im Großen Burgsaal zusammenkommen, um die nächsten Schritte zu beratschlagen.

M: Offenbar liegt noch ein weiter und schwerer Weg vor euch. Ich drücke die Daumen, dass ihr euch einigen könnt. Und auch, dass du dich wieder mit Andrûs verträgst.

E: Dafür muss ich ihn erst mal finden. Aber … ich hoffe das auch. Obwohl ich gerade echt ziemlich wütend auf ihn bin, vermisse ich ihn.

M: Ich danke dir, dass du dir trotz all der Schwierigkeiten die Zeit genommen hast, uns hier ein bisschen zu erzählen.

E: Die kleine Auszeit tat mir ganz gut.

M: Ich wünsche dir viel Kraft für deinen Kampf und ich werde versuchen, dich darin zu unterstützen, so gut ich kann ;-).

E: Danke. Ich kann jede Hilfe gebrauchen. Also bis dann.

M: Ja, pass auf dich auf.

Elyjas‘ Abenteuer ist natürlich noch viel gewaltiger, aber das würde diesen Rahmen wohl sprengen.

Ich hoffe, ihr habt trotzdem einen kleinen Einblick erhalten. Selbstverständlich werde ich in einem späteren Beitrag auch Andrûs zu Wort kommen lassen, damit er uns seine Sichtweise schildert.

Also schaut wieder rein!

Zeit für ein bisschen magische Kunde.

Der Begriff Mestar oder Mestra gilt übergreifend für alle Magiekundigen in der Welt Shaendâra, die mindestens den ersten magischen Grad erlangt haben.

Wie im ersten Teil dieser Blogreihe zur Schöpfungsgeschichte erklärt, schufen die Shana die Welt Shaendâra aus einer Art schöpferischem Regen. Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten waren sehr vielseitig und aus ihrem Wissensstamm erwuchsen die magischen Äste in unterschiedliche Richtungen.

Einer der frühesten Talmar namens Dràoch galt als besonders schöpferisch und weitsichtig. Er wollte sicherstellen, dass die Weisheit der Shana auch in späteren Jahrhunderten erhalten bliebe. Durch seine Heirat mit Tarakedjha vereinte sich in seinen Kindern das Blut der Talmar mit den Penyar.

Viele kleinere Zweige gingen daraus hervor, die bedeutsamsten entsprangen Dràochs ältestem Sohn, der eine Nachfahrin Ellyllons heiratete. So mischte sich in diesen Zweig auch das Blut des Elfenvolkes und aus dieser Verbindung gingen wiederum drei Söhne hervor: Enwa, Gebor und Nam’vanyar. Durch sie entstand die Linie der Mestari.

Die Lehrmeister

Enwas Nachkommen, die man daher Enwaren nennt, erschufen in der Zeit vor der Ersten Verdunkelung die größten magischen Tempel Shaendâras, viele davon in jenem Gebiet, das heute als die verlassene Ödnis Enwaerûn bekannt ist. Sie verschrieben sich der Weitergabe des alten Wissens an jüngere Generationen.

An der Westküste des Landes Tâlameth erbauten sie eine Stadt und gaben ihr den Namen Aza’Dhaan. Hoch auf den Klippen gründeten sie die Acadamh Dìlim Lur, die Akademie des treuen Pfades, umlagert von nackten Felsterrassen und blühenden Hängen. Hier vor allem sollten jene unterrichtet werden, die ihnen nachfolgten.

»O Tywyll i’r Sol! Aus dem Dunkel ins Licht!«, stand als Sinnspruch über der Pforte, neben dem eingemeißelten Abbild einer Eule, und lange galt die Akademie als die größte Magierschule in Shaendâra.

Ihre Oberste namens Kyldana beherrschte sowohl die Geistmagie als auch die Magie der Elemente so gut, dass sie imstande war, die Gesänge aller vier Elementargeister zu verstehen. Sogar unter Dràochs Erben, in denen auch das Blut der Penyar floss, kam dies äußerst selten vor, außerhalb seiner Nachfahren überhaupt nicht.

Die Linie der Hüter

Was die Werke Nam’vanyars, des jüngsten Bruders, angeht, ist nur wenig bekannt. Doch war er der Vater von Vaìrdor, der im Jahr 1.385 des Ersten Zeitalters den Schattenangriff auf die Seelenflamme vereitelte, und hernach als Erster den Titel Paith’an’Leawha, Bewahrer der Seelen und Wächter des Lebens, trug.

Zugleich begründete er die magischen Rangorden und Gilden, wurde der höchste unter den Magiekundigen in ganz Shaendâra, und bildete aus seinen engsten Vertrauten den so genannten Inneren Zirkel. Aus diesem erwählte er selbst und jeder Paith’an’Leawha nach ihm seinen Nachfolger.

Das falsche Urteil

Einige Jahre bevor Ûussa zum Obersten aller Mestari erwählt wurde und fortan als Hüter über die Seelenflamme wachte, war er durch die Lande gezogen, um sich einen Lehrling zu suchen. Die beiden Brüder Sìdhor und Faergûll kamen in die engere Wahl und er beobachtete sie eine Weile sehr genau, um ihr Inneres zu erforschen.
Sìdhor war ein friedliebender Mensch und schien Ûussa ein würdiger Schüler zu sein. Hinter Faergûlls Augen und frommen Worten erkannte Ûussa aber einen Schatten und beachtete ihn daher kaum. Das schürte Faergûlls Eifersucht auf seinen Bruder und rasend vor Zorn zerstörte er dessen Hab und Gut. Anschließend trat er weinend vor Ûussa und bettelte, dass dieser doch auch ihn in der Magie unterweisen möge. Ûussa aber, der seinen Verdacht bestätigt sah, zögerte und willigte erst ein, nachdem der Vater der beiden Jungen ihn herzeinnehmend darum angefleht hatte.
Schon bald erkannte Ûussa, wie falsch sein Nachgeben gewesen war. Doch zu diesem Zeitpunkt war das Unheil bereits über Shaendâra hereingebrochen und erst viele dunkle Jahre später sollte dieser Fehler korrigiert werden.

In Sìdhor immerhin irrte Ûussa nicht – er gilt noch heute als der bedeutsamste und mächtigste Paith’an’Leawha aller Zeitalter, der die Schattenherrschaft, die sein Bruder begonnen und sein Neffe später noch finsterer fortsetzte, beendete.

Die magische Ordnung

Die Kyarlath Dhrai, die magische Ordnung, kennt sieben magische Ränge, die durch unterschiedliche Farben gekennzeichnet sind.

Zu Beginn steht der Iomai, der Anwärter, der den Pfad der magischen Ausbildung beschreiten möchte und eigentlich noch nicht zu den Rängen im engeren Sinne zählt.
Die erste ›richtige‹ Rangstufe ist die des Imri, des Schülers, der während seiner magischen Grundausbildung die Farbe schwarz trägt. Denn die Schüler sind vom höchsten Rang am weitesten entfernt. Das Schwarz ihrer Kutten symbolisiert die Leere, die in diesem Stadium in ihrem Inneren existiert und welche die Magie künftig füllen soll.

Es folgt der Printi, der Lehrling, dessen Lehre durch einen einzelnen Mestar erfolgt, mit dem er drei Jahre durch das Land reist. Der Mantel eines Printi ist schwarzbraun, zudem darf er sich während dieser Zeit einen Stab anfertigen.
Mit bestandener Prüfung am Ende der Lehrzeit darf er sich einen vollwertigen Zauberer und Gelehrten nennen und erhält den Titel Adepto bzw. Adepta. Aber auch dieser geht noch nicht mit einem magischen Grad einher.

Die Adepti tragen Braun, das für Herkunft, Wurzeln und die Summe der Erfahrungen steht, die sie während ihrer Ausbildung gesammelt haben.

Nach frühestens fünf weiteren Jahren können Gelehrte den Zaubergrad der ersten Ebene erlangen und dadurch zum Ardano oder zur Ardana aufsteigen. Fortan gehören sie zum Grünen Orden. Das Grün symbolisiert die Mitte, Wachstum und Erneuerung. Die Ardani, die das grüne Gewand anlegen, haben ein nächsthöheres Wissen erreicht. Doch ist ihnen bewusst, dass dies erst die Basis darstellt. Der Pfad zur Weisheit bleibt lang und steil und es bedarf einer regelmäßigen Erneuerung, um ihn zu erklimmen.

Zauberer der zweiten bis sechsten Ebene gelten als Großmagier und werden mit Magus oder Maga angesprochen. Sie tragen mit jeweiligem Aufstieg nacheinander die Farben Gelb, Orange, Rot, Türkis und Violett.

Auf der siebten bis neunten Stufe folgen die Farben Blau, Grau und Weiß. Magier, die diese Ebene erreicht haben, dürfen sich Archani, Erzmagier, nennen. Das Weiß stellt die höchste Farbe dar, denn sie vereint alle anderen Farben in sich und symbolisiert somit das Vollkommene, das Licht, das Gute und die Reinheit.

Die Gabe der Seher

Die Nachkommen Gebors bewahren eine Kraft, die unter den Shana als die höchste Gabe angesehen wurde und die heute sogar unter den Ältesten kaum noch verstanden wird.

Obwohl die Gabe in frühen Tagen weit verbreitet war, galt Dràoch als der erste Seher.

Als seine Gemahlin Tarakdejha in die Flamme einging, blieb Dràoch zurück. Denn er ahnte, dass jedem Tag eine Nacht folgen würde, und so machte er sich ans Werk, um die Seelenflamme für die Zukunft zu schützen und bewahrte dies als sein Geheimnis. Dràochs Auge wird es genannt – und sogar unter den alten Weisen der treuen Völker weiß kaum jemand darum und noch weniger verstehen es.

Während die Gabe sich unter den Talmar verflüchtigte, spürte Dràoch sie in seinem Enkel Gebor stärker als in jedem anderen. Ihm vertraute er sein Geheimnis an, als er beschloss, selbst in die Flamme einzugehen. Seitdem bewahrten Gebors Erben das Vermächtnis durch alle Jahrhunderte hindurch. Man nennt sie die Alte Sippe, denn sie hüten das älteste aller Geheimnisse der Shana. Doch nur wenige von ihnen sind übrig und so droht das Wissen letztlich verloren zu gehen.

Das Zentrum der Seher liegt seit damals im Süden Tâlameths, doch wuchs auch Tagris Mor im Laufe der Jahrhunderte in solchem Ausmaß an, dass der einst prächtige Tempel heute nur noch ein Anhängsel vergangener Tage darstellt, an dessen Bedeutung der Hauptteil der Bevölkerung sich kaum erinnert.

Menschenfremde magische Kulturen

Natürlich existiert die Magie nicht nur unter den Menschen, tatsächlich kommt sie bei diesen im Laufe der Jahrhunderte immer seltener vor.

Den Ellyllîm, Elfen, und den noch älter scheinenden La’an, den Laubläufern, deren Ursprung noch weniger bekannt ist, den Tallocs in den Hügeln und den Ghorrocs unter den Bergen, ebenso wie den Qa’nai im Hain von Beth’nal’Mâr, wohnt jeweils eine ganz eigene Form von Magie inne.

Sie alle zu beschreiben, sprengt den Rahmen dieses Artikels. Aber natürlich werde ich euch das ein oder andere Volk in den Folgebeiträgen vorstellen.

Während des Ersten Zeitalters, lange vor der Gründung des Königreiches, gehörten die Menschen, die die Westküste Shaendâras bevölkerten, verschiedenen Stämmen an.

Der größte unter ihnen war der Clan der Wölfe. Weiter nördlich, in der Nähe zum Eisigen Kliff in den Frostbergen, lebten die Adler, der zweitgrößte Stamm. Die übrigen nannten sich Hirsche, Luchse und Bären.

Jeder Clan besaß sein festes Territorium, dessen Grenzen durch Wehrtürme markiert waren. Dennoch stritten die Häupter oft um Land und Gut und führten Raubzüge gegeneinander und mancher Mord geschah, selbst an Frauen und Kindern, um die eigene Macht auszudehnen.

Das Bündnis des Drachen

Im Jahr 1.723 des Zweiten Zeitalters lebte ein Mann namens Dragas. Er unterbreitete den Clans ein Angebot, das sich auf gemeinsame Stärke, Schutz und Wohlstand berief, und vier der fünf Clans vereinten sich unter seinem Banner.

Wolf, Hirsch, Luchs und Bär krönten Dragas zum ersten König ihres neuen Reiches, dessen Wappen einen langschwänzigen Drache zeigte.

Die Erben der Adler

Einzig Tuulog, der Stammesfürst der Adler, verschmähte Dragas‘ Angebot, denn er wollte seine Unabhängigkeit nicht aufgeben. Dragas überließ ihm und seinen Nachfahren das Gebiet südlich der Frostberge, auch als Wildernis bekannt, mit seinen dunklen Wäldern und kargen Hügeln, in dem die Adler bereits zuvor gelebt hatten. Doch verlangte er, dass Tuulogs Horde im Gegenzug keine Verbrechen gegen das Königreich übten. Ansonsten würde er sie mit aller Kraft aus ihrer alten Heimat vertreiben.

Viele vom Clan der Adler blieben fortan in der Wildernis und trieben friedlichen Handel mit den Bewohnern der neuen Städte im Herzen Drâeas, der beiden Seiten zugute kam.

Tuulog selbst und einige andere zogen hingegen nordwärts über die Frostberge hinaus bis in die Eislande. Ihre Nachfahren hielten sich keineswegs an das friedliche Abkommen, stattdessen begannen sie schon kurze Zeit später erneut, Dörfer zu überfallen. Sie wurden bald nur noch als Wilderlinge bezeichnet, unzivilisiert, raubeinig und mehr Tier als Mensch.

Etliche Jahre später mischte sich ihr Blut mit den Nachkommen Dhryns, der wiederum aus dem Blute Dh’Enaells, des zweiten Sohnes von Dragas, stammte.

Die Stammlinie der Könige

Die frühen Grenzen des Königreiches reichten von den Frostbergen im Norden, entlang des Eisengebirges im Osten und bis zum Weißen Gipfel, dem höchsten aller Berge in der Mitte Shaendâras, von dort wieder nach Südwesten bis ans große Meer.

Im Süden und Osten erbaute Dragas zwei Schutzfesten nahe den Grenzen und in der Mitte seines Reiches gründete er Ba’lar’Richath, die Stadt des Königs. Von dort aus führte er die Geschäfte seines Reiches und nach ihm folgte sein ältester Sohn Draléif. Sein zweitältester Sohn und dessen Erben siedelten an der Westküste und herrschen seitdem als Fürsten von Kastal Roc.

Südlich davon schwimmen die Innis Or, die Goldenen Inseln, die ebenfalls dem Königreich angehören. An der Ostseite des nördlichsten Eilands liegt die einzige Stadt Galeija.

Mehrere Generationen folgten, bis Aeghal den draejanischen Thron bestieg. Unter seiner Regentschaft wuchs im Osten ein neuer Schatten heran und die Zweite Verdunkelung breitete sich über Shaendâra aus.

Nach Jahren des Krieges und hohen Verlusten gelang den Draejanern gemeinsam mit ihren Verbündeten unter den Menschen und anderen Völkern im Jahre 2.499 LD der Sieg über den Schatten.

Das Dritte Zeitalter brach an und das Königreich Drâea weitete sich durch die bestehenden Bündnisse mit seinen Nachbarreichen Likhana im Süden und Uskûndor im Osten weiter aus.

Zu Ehren seiner Gemahlin und als Symbol des Sieges ließ König Aeghal im Jahr 2.501 LT die östliche Schutzfeste am Fuß der Eisenberge in Kendorras, die Stadt des Friedens, umbenennen.

Kyenndra gebar Aeghal drei Söhne und zwei Töchter und nach Aeghals Tod folgte der Erstgeborene Domhnall seinem Vater auf den Thron und dessen Sohn Domhléif danach. Domhléifs Gemahlin wiederum brachte einen Jungen zur Welt, der den Namen Balchor trug. Zum Leid seiner Eltern verunglückte Balchor jedoch im Alter von dreizehn Jahren tödlich und der König blieb lange ohne Erben zurück. Erst acht Jahre später wurde er zum zweiten Mal Vater, dieses Mal von einer Tochter. Der König war bereits alt und rechnete nicht damit, noch einen Sohn zu zeugen. Weil aber die Thronfolge den männlichen Abkommen seiner Linie vorbehalten war, ahnte Domhléif, dass nach seinem Tod sein Bruder Ândrahel die Krone erben würde. So geschah es im Jahr 2.597 des Dritten Zeitalters.

Schon bald nach Ândrahlels Krönung erhob sich abermals ein Schatten über Shaendâra, dessen finstere Horden die Grenzen bedrohten. Die Stadt Kendorras wurde von den Rak’Zhâr überrannt und dem Erdboden gleichgemacht. Lorcas, der einzige Bruder des Königs, fiel in jenem Kampf.

König Ândrahel erlebte diesen schwarzen Tag nicht mehr, denn er war gemeinsam mit seinem jüngeren Sohn Arrâs zuvor auf Reisen durch die Ostlande von den Rak’Zhâr überfallen und ermordet worden. Auch die Königin erlebte das Gemetzel nicht, sie starb zwei Monate vor dem Angriff an gebrochenem Herzen über den Verlust ihrer Lieben.

Alle Hoffnung ruhte jetzt auf Prinz Aedhan, dem einzig lebenden Erben aus Aeghals Linie. Aber der Prinz war von einer Schlacht an der Südgrenze des Reiches nicht zurückgekehrt und man munkelte, die Rak’Zhâr hätten ihn verschleppt, was einem Todesurteil gleichkam. Seit jenem Tag ist sein Schicksal ungewiss und der Thron Drâeas bleibt leer.

Es ist der Statthalter von Dh’Aschjar, der durch Heirat mit der Königsfamilie verbunden, über das Land regiert, ohne selbst die Krone zu tragen. Denn noch immer hoffen die Draejaner, dass ihr rechtmäßiger König wiederkehrt.

Das heutige Territorium

Das Königreich Drâea umfasst in den heutigen Tagen des Dritten Zeitalters weniger Gebiet als zu seinen Anfängen. Im Norden reicht es noch immer bis an die Frostberge. Im Süden bilden die Hügelkuppen um die Dîn Randás, die südliche Schutzfeste, herum eine natürliche Grenze zum verbündeten Fürstentum Likhana.
Im Osten hat das Reich am meisten Land eingebüßt. Der Weiße Gipfel ragt längst weit außerhalb Drâeas, inmitten der satten Täler Uskûndors aus dem Boden. Die Grenze verläuft im nördlichen Areal noch immer entlang der Eisenberge, knickt dann aber nach Südwesten hin ab. Die Ruinen von Kendorras bleiben Feindesgebiet, einige Meilen westwärts behält die Flusswacht die Grenze im Auge, die sich weiter Richtung Süden mittig durch die Wälder zieht, wo sie von der Waldwacht vor den streunenden Unholden des unwirtlichen Enwaerûns geschützt wird.

Die Stadt Dh’Aschjar, am Fuß des westlichen Massivs der Eisenberge gelegen, ist in heutigen Tagen die größte Stadt und wichtigster Handelspartner der Likhyner, seit die Handelswege nach Osten zu gefährlich geworden sind.

Zudem von Bedeutung sind die Stadt Galeija und das Dorf Kastal Roc an der Westküste. Darüber hinaus existieren einige kleinere Dörfer.

Der Alte Wald

Der Alte Wald liegt inmitten des draejanischen Territoriums, trotzdem bildet er ein eigenständiges Reich. Er ist die Heimat der Ellyllîm, des Elfenvolkes, angeführt vom Hochfürsten Llewellyn.

Die Draejaner wissen um die Existenz dieses Reiches und meiden es, den Alten Wald zu betreten, obwohl die Ellyllîm ihnen wohlgesonnen gegenüberstehen. Hochfürst Llewellyn hält seinerseits enge Verbindung zur Scolai, der Magierschule in Dh’Aschjar, aufrecht.

Das Leben in Drâea

Die Draejaner teilen sich in drei Hauptgruppen: Soldaten, Händler und Kaufleute sowie das einfache Volk. Darüber hinaus gibt es – wie auch unter den anderen Völkern – einige, in denen die alten Mysterien erwachen und die den Pfad der Magie an der Scolai einschlagen.

Der Handel wird inzwischen fast ausschließlich mit dem Fürstentum Likhana betrieben, insbesondere der dortigen Hauptstadt Tánahar. Im Osten ist er nahezu verebbt, da die Straßen durch den Vormarsch der Rak’Zhâr nicht länger sicher sind. Das wichtigste Handelszentrum in Falias wurde zerstört und wegen der Rak’Zhâr, die sich in den Eisenbergen eingenistet haben, wagt kaum jemand die Reise nach Osten.

Da der Krieg seit langer Zeit die Grenzen des Königreiches bedroht, sind Soldaten und andere, die sich auf den Umgang mit Waffen verstehen, hochgefragt. Der Drache Drâeas auf der Rüstung wird mit Stolz getragen und kein Draejaner mag die Hoffnung an einen letztlichen Sieg gegen die Schattenhorden aufgeben. Ebenso halten sie an dem Glauben fest, dass ihr König eines Tages zurückkehren und das Reich zu seiner einstigen Blüte zurückführen wird. Dies versinnbildlicht auch der Obelisk auf dem Marktplatz in Dh’Aschjar, an dessen Spitze ein schimmerndes Oval die Kraft des Seelenlichtes symbolisiert, und die dazu eingravierten Worte: »Dúil mair« – Die Hoffnung lebt!

Doch es hat bereits einen Angriff auf Dh’Aschjar gegeben und obwohl er abgewehrt werden konnte, weiß niemand, was beim nächsten Überfall geschehen wird. Die Zukunft der Draejaner ist ungewiss …

In Shaendâra gibt es verschiedene Reiche, die in unterschiedlichen Klimazonen liegen, ganz ähnlich zu unserer realen Welt. Sie sind die Heimat der Menschenstämme. Noch ältere Rassen und Völker überdauern inmitten dieser Reiche und sind doch von den Menschen abgeschieden – die Elfen und Laubläufer in den urtümlichen Wäldern, die Tallocs und Ghorrocs in den verborgenen Hügeln und unter den Bergen sowie die Drachen.
Aber auch finstere Geschöpfe verbergen sich in den Schatten dieser Lande, die Shaendâra und alles Leben darin bedrohen. Der erbitterte Kampf um die Seelen hat längst begonnen …

Heute will ich euch erzählen, wie die Welt Shaendâra von den Shana erschaffen wurde.

Aus den ersten Tagen der Shaendâras existieren nur bruchstückhafte Überlieferungen. Allein die Dìlae, die Treuen aus dem Geschlecht Dràochs, wissen um die einstigen Mächte ihrer Vorfahren. Bekannt ist daher, dass die Shana, strahlende Wesen voller friedlicher Weisheit, Shaendâra zu Anbeginn der Zeiten erschufen.

Die Tränen des Erwachens

Das Leben in Shaendâra entwickelte sich aus Wahanlen Earrach, den »Tränen des Erwachens«.

Dabei handelte es sich um eine Art schöpferischen Regen, in dem die Shana urkräftige Energien entfesselten. Jene Energien bezeichneten sie als die »Geister der Urkraft« und gaben ihnen die Namen Tândrul, Gandawyr, Daeroniel und Diurylsar. Diese herrschten über die Mächte von Feuer, Luft, Erde und Wasser.

Alles Lebendige zeigte sich fortan als schwächerer Spiegel der Urkräfte, die zu beherrschen fortgeschrittene Geistmagie erfordert. Jede einzelne der Urkräfte der Elementare beeinflusst dabei auch die übrigen drei.
Wenngleich der Geist jedes Einzelnen imstande ist, alle Elementare zu verstehen und deren Stimmen, die vier Lieder Avaarus, zu beherrschen lernen kann, agiert in jedem Lebewesen meist ein Element stärker als die anderen.

So wirkte in all jenen, die im Laufe der Zeitalter zum Hüter des Seelenfeuers erwählt wurden, am stärksten die Magie des Feuers, während den Quellschwestern aus Beth’nal’Mâr die Macht des Wassers und den Tallocs und Ghorrocs die Macht der Erde am stärksten innewohnt.

Talmar und Penyar

Die Shana unterteilten sich in Talmar, »Erdwandelnde«, und Penyar, »Geflügelte«, und in ihnen fanden alle späteren Rassen ihren Ursprung.

Dem Namen nach bekannt – und diese waren die höchsten unter den Shana – waren Neamh’yar und Glycha, Draighor und Tanniymh, Fûhbor, Cruthar und Bêthnahel sowie Rigmor.

Noch während des frühen Erwachens vereinten sich die Talmar Neamh’yar und Glychna, deren ältester Sohn Ellyllon in späteren Tagen Dìlumis, die Tochter Cruthars und Bêthnahels heiratete. Aus dieser Verbindung entsprangen die Anführer des Elfenvolkes.

Ellyllons Bruder Dràoch vermischte sein Blut mit einer der Nachkommen von den Penyar und begründete die Linie der Mestari, die bis ins heutige Zeitalter die Gaben der Shana gegenwärtig halten.
Aus der Vermählung Gaoths mit dem Penyar Fûhbor gingen die heutigen Drachen hervor, während Dìlumis‘ Bruder Ghorza die Ghorrocs aus Stein und die Tallocs aus grasiger Erde formte.

Zuletzt vermählte sich Dubhor, der Bruder Ellyllons und Dràochs, mit Rigmor, aus deren Linie später die Schatten erwuchsen.

Die Flamme der Seelen

Zwar waren die Shana unsterblich, dennoch verließen sie eines Tages ihren Körper. Ihre Seele aber blieb in einem mystischen Licht für alle Zeiten bewahrt.

Als für Neamh’yar und Glychna der Zeitpunkt gekommen war, ihre körperlichen Hüllen aufzugeben, flogen ihre Seelen hinaus und vereinten sich miteinander. Seit jenem Tag brannte ihr Feuer zum Schutz allen Lebens in Shaendâra und wann immer ein Lebewesen seinen Körper verließ, fand sein inneres Licht den Weg zu den anderen, die es willkommen hießen, und die Seelen entflammten noch heller.

So war es zu Anbeginn aller Zeiten, doch diese Tage sind längst entschwunden.

Das Seelenfeuer brennt heute deutlich schwächer und droht gar zu erlöschen, die Seelen auf ewig in der Dunkelheit zu irren. Ein grausiger Krieg hält Shaendâra gefangen, dessen Ausgang ungewiss ist.

Das Schicksal aller freien Völker liegt in der Freundschaft zweier Jungen und ihrem Vertrauen in sich selbst …