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Jeder Mensch kann zum Helden werden, wenn er seinem inneren Ruf und damit seiner Bestimmung folgt. Das Konzept der Heldenreise eignet sich für dein privates Leben und deine persönliche Entwicklung und ist zugleich ein Grundmuster, um spannende Geschichten zu erzählen.

Denn der innere Kampf zwischen dem Wunsch nach Veränderung und dem gleichzeitigen Bedürfnis nach Sicherheit beschreibt den Grundkonflikt jedes Menschen. Das kennst du vielleicht selbst – die tiefe Sehnsucht in dir, die du aus Angst verdrängst. Deine innere Stimme, die du zum Verstummen bringst, weil du zweifelst.

Aber was genau ist die Heldenreise?


Die Heldenreise: Grundmuster für Geschichten, aus denen wir lernen

Der Mythenforscher Joseph Campbell (1904-1987) entdeckte, dass die überlieferten Geschichten der Naturvölker, die er besuchte, alle auf einem identischen Grundmuster beruhten und bestimmte Elemente und Geschehnisse immer wieder darin auftauchen. Daraus leitete Campbell 17 Phasen oder Entwicklungsstufen (die »Heldenreise«) ab, die auf dem Weg zum Helden eine Rolle spielen.

Christopher Vogler, Mitarbeiter des Filmdepartments an der University of Southern California, erkannte die Bedeutung des Konzepts der Heldenreise und verfasste basierend auf Campbells Modell einen Zyklus der Heldenfahrt in 12 Schritten. Das Modell wurde für Drehbuchautoren entwickelt, eignet sich aber ebenso für Autoren von Romanen. Voglers Buch »Die Odyssee des Drehbuchschreibers« ist für jeden Schreibenden lesenswert.


Zahlreiche Bücher und Filme basieren auf dem Konzept der Heldenreise, zum Beispiel Der kleine Hobbit und Herr der Ringe, Der König der Löwen, Harry Potter oder Star Wars.

Bis heute nutzen Autor*innen dieses Werkzeug, um beim Plotten und Überarbeiten von Romanen einen hohen Spannungsbogen zu erzeugen.

Die Stationen der Heldenreise

Station #1 – Die alte Welt / Die gewohnte Welt

Ausgangspunkt ist die gewohnte und oft langweilige Welt, in welcher die Hauptfigur lebt. Denn am Anfang muss der Leser erfahren, wie der Alltag der Hauptfigur aussieht.

Die Hauptfigur kann sich in ihrem bisherigen Leben durchaus wohl fühlen (z. B. Bilbo Beutlin in Der Hobbit) oder auch nicht (z. B. Harry Potter bei seinen Stiefeltern).

Außerdem muss irgendein Mangel erkennbar werden, der in der gewohnten Welt oft schon dadurch vorhanden ist, weil alles täglich »im Trott« und ganz ohne Spannung und neue Herausforderungen abläuft. Mängel können aber auch zum Beispiel in Bezug auf Sicherheit, Nahrung, Liebe oder Geld auftreten. Für weitere Eindrücke schau dir die Bedürfnispyramide nach Maslow an.

Station #2 – Der Ruf des Abenteuers / Das Erscheinen eines Herolds

Plötzlich passiert etwas!

Ein Ereignis reißt die Figur aus ihrer gewohnten Alltagsroutine. Das kann etwas ganz Offensichtliches sein oder eher versteckt geschehen. Im kleinen Hobbit sagt Gandalf zu Bilbo, er suche jemanden für ein Abenteuer. Bei Harry Potter fängt es mit den Briefen an, die wortwörtlich ins Haus flattern und ihn neugierig machen.

Zum ersten Mal denkt die Figur darüber nach, wie ihr Leben anders aussehen könnte.

Station #3 – Die Verweigerung des Rufs

Die Figur ahnt, dass das Abenteuer große Veränderungen und Herausforderungen mit sich bringt. Aus Unsicherheit zögert sie, denn sie will das sichere und bekannte Leben nicht aufgeben. Schließlich könnte sie auch scheitern. Diese Angst ist ganz normal.

Manchmal hindern die Figur auch äußere Widerstände. Zum Beispiel könnten Menschen im Umfeld des Helden versuchen, ihn zu überzeugen, das Abenteuer nicht anzutreten. Denn in der gewohnten Welt hat der Held sich seiner Rolle angepasst. Andere können ihn gut einschätzen. Falls der Held aber das Abenteuer beginnt, bricht er mit dieser Rolle und wird er für andere schwer kalkulierbar.

Station #4 – Die Begegnung mit dem Mentor

Der Held ist unentschlossen. Er hört den Ruf, kann ihm aber nicht folgen, weil ihn irgendetwas hindert. Oft tritt an dieser Stelle ein Mentor auf, der die alte und die neue Welt kennt und über viel Erfahrung und großes Wissen verfügt.

Der Mentor hilft dem Helden, die richtige Entscheidung zu treffen, und handelt dabei völlig selbstlos.

Im weiteren Verlauf kann es auch mehrere Lehrer geben, die dem Helden zur Seite stehen.

Station #5 – Der erste Schritt / Das Überschreiten der Schwelle

Hier beginnt das Abenteuer.

Der Held muss diesen Schritt machen, um die Geschichte überhaupt interessant werden zu lassen. Er tut etwas Unwiderrufliches und übertritt damit eine Schwelle. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Station #6 – Erste Probleme, Verbündete und Feinde

Die Figur dringt immer weiter in unbekanntes Gebiet vor. Sie muss sich in der »neuen« Welt zurechtfinden und deren Regeln erst kennenlernen. Auf dem Weg begegnen der Figur neue Freunde und Gegner, wobei sich das eine im Nachhinein auch als das andere herausstellen kann.

Der Held muss erste Probleme bewältigen und wird dabei immer wieder mit seiner Angst vor dem Versagen konfrontiert. Trotzdem gibt er nicht auf und wächst an diesen Prüfungen.

Station #7 – Vordringen zur tiefsten Höhle / Die Erkenntnis

Der Held kennt die neue Welt jetzt schon ganz gut. Die Probleme werden größer und die Konflikte spitzen sich zu.

Irgendwann gelangt der Held an den Punkt, an dem er das volle Ausmaß seiner Aufgabe begreift und dass es jetzt richtig übel wird. Der Held erkennt jetzt seinen Gegner, entweder in Form einer anderen Figur oder als inneren Konflikt.

Die tiefsten Abgründe tun sich vor ihm auf und seine Angst nimmt gewaltig zu. Er kann nicht mehr zurück.

Station #8 – Die entscheidende Kampf

Erneut spitzen sich alle Konflikte zu. Der Held kämpft mit seinem größten Feind und dieser Kampf wird ein weiteres Mal alles verändern, was bisher galt. Es kommt zum Showdown.

Hinter dieser Prüfung steckt das Geheimnis: Helden müssen »sterben«, damit sie wiedergeboren werden können. Du musst also bereit sein, dein altes Leben aufzugeben, um ein neues Leben zu erschaffen.

Letztlich gelingt dem Helden der Sieg über den Feind. Und je verletzter er zuvor war, desto stärker ist er aus dem Kampf hervorgegangen.

Station #9 – Belohnung: Der Held bekommt den Schatz

Der Held hat den Gegner besiegt und darf als Belohnung den Schatz in Empfang nehmen. Das kann sowohl ein Gegenstand als auch Wissen oder ein Mensch, den er für sich gewinnt, sein.

Station #10 – Rückkehr in die gewohnte Welt

Ein langer Weg liegt hinter dem Helden. Er ist gereift und hat sich verändert. Jetzt tritt er den Rückweg in die alte und gewohnte Welt an, was neue Ängste und Zweifel in ihm schürt. Wie wird die alte Umgebung auf ihn reagieren? Wie wird er selbst nach all den Erlebnissen in der alten Welt zurechtkommen? Passt das alte Leben noch zu ihm? Er ist nicht mehr der Mensch, der er zu Beginn seiner Reise war.

Station #11 – Auferstehung des Helden / Die endgültige Verwandlung

Die Aufgaben und Prüfungen, die der Held auf seiner Reise überwunden hat, haben ihn innerlich wachsen lassen. Er ist zu einer neuen Persönlichkeit gereift.

Die Konfrontation mit der alten gewohnten Welt führt dem Helden vor Augen, dass er dort nicht mehr sein will. Er widmet sich nur noch der neuen Welt. Seine guten Eigenschaften, die schon immer in ihm vorhanden waren, sind durch Lektionen gestärkt worden. Die negativen Eigenschaften hat der Held abgelegt.

Die Verwandlung ist abgeschlossen. Es kommt zum Happy End!

Station #12 – Das »Elixier«

Am Ende hat der Held das erreicht, was er sich in Phase 1 so sehr gewünscht hat.

Er hat etwas Entscheidendes von seiner langen Reise mitgebracht und das »Elixier« gewonnen. Dabei kann es sich um Erfahrung, Wissen, Macht, einen Schatz etc. handeln.

Heldenreise als Muster für deinen Roman

12 Heldenschritte und 3 Akte

Du hast sicher schon einmal vom klassischen Aufbau einer Geschichte mit Anfang, Mitte und Ende gehört, also vom Storytelling in drei Akten. Legst du beide Konzepte übereinander, teilt sich das wie folgt auf:

Anfang / Einleitung

  • Die alte Welt / Die gewohnte Welt
  • Der Ruf des Abenteuers / Das Erscheinen eines Herolds
  • Die Verweigerung des Rufs
  • Die Begegnung mit dem Mentor

Mitte / Hauptteil

  • Der erste Schritt / Das Überschreiten der Schwelle
  • Erste Probleme, Vergündete und Feinde
  • Vordringen zur tiefsten Höhle / Die Erkenntnis
  • Der entscheidende Kampf
  • Belohnung: Der Held bekommt den Schatz

Ende / Schlussteil

  • Rückkehr in die gewohnte Welt
  • Auferstehung des Helden / Die endgültige Verwandlung
  • Das »Elixier«

Die Heldenreise des Autors

Auch der Autor selbst erlebt beim Schreiben seine eigene Heldenreise, auf der er mit Zweifeln, Rückschlägen und Blockaden konfrontiert wird. Schreibe ich gut oder originell genug? Will das überhaupt jemand lesen? Wie soll ich das Buch jemals fertigstellen? Ich habe doch überhaupt keine Zeit dafür. Was, wenn es niemand kauft?

Am Ende steht ihm kein äußerer Widersacher gegenüber, den er vernichten muss. Vielmehr lernt der Autor seinen inneren Schatten beim Schreibprozess immer besser kennen und muss diesen letztlich in seine Persönlichkeit integrieren.

Nachwort

Natürlich ist die Heldenreise kein einmaliges Konzept. Vor allem im wahren Leben ist niemand ewig glücklich und zufrieden, selbst wenn er bereits einmal Stufe 12 erreicht hat. Irgendwann treten neue Mängel oder Sehnsüchte auf. Dann beginnt ein neues Abenteuer mit weiteren Prüfungen und Hindernissen, die zu bewältigen sind, um gestärkt daraus hervorzugehen.

Einen informativen Radiobeitrag zur Heldenreise als Dramenmodell findest du auf den Seiten des Bayerischen Rundfunks: »Die Heldenreise – Typologie einer Erzählung«.

Und hier kannst du dir noch einmal die 12 Stufen der Heldenreise (PDF) herunterladen.

Du willst einen Roman schreiben? Glückwunsch! Dazu kann ich dir nur gratulieren. Ein wirklich spannendes und spaßiges Abenteuer liegt vor dir. Auch wenn du gerade erst anfängst, werden dir die folgenden 15 Tipps für bessere Romane sicher hilfreich sein.

Vielleicht bist du aber auch schon fertig und hast dein Werk nach langer, liebevoller und manchmal nervenaufreibender Arbeit endlich vollendet. Auch in diesem Fall: Herzlichen Glückwunsch! Ich erinnere mich, wie toll es sich angefühlt hat, als ich selbst zum ersten Mal das Wort »Ende« unter ein Manuskript geschrieben habe.

Allerdings … da fehlt noch etwas.

Roman schreiben: Der große Hausputz für besseren Schreibstil

Mein Roman ist fertig. Oder doch nicht?

Trotz aller Freude und Mühen – noch ist nicht der Zeitpunkt, an dem du dich von deinen Romanfiguren verabschiedest. Du hast ihnen das Haus gebaut, den Rohbau sozusagen. Aber noch ist das Dach nicht gedeckt, die Wände nicht tapeziert und es fehlen noch die bequemen Möbelstücke. Zuerst musst du noch ein bisschen dekorieren, damit sich deine Figuren – und ihre Gäste (deine Leser!) auch richtig wohl darin fühlen können.

Zum Schluss darfst du deinen Figuren auch noch ein paar letzte Streicheleinheiten schenken, bevor du sie in die große Welt hinausschickst.

15 Tipps um bessere Romane zu schreiben

Diese 15 Schreibtipps verbessern deinen Roman

All dein Herzblut und deine Leidenschaft sind bereits in deine Geschichte eingeflossen. Voller Vorfreude richtest du nun an, um Gäste in dein Haus zu laden.

Mit den Schreibtipps, die ich dir jetzt nenne, streichst du die rauen Stellen glatt, polierst die Fenster und verleihst deinem Haus Raum für Raum den letzten Feinschliff.

Wie fängst du also am besten an?

Tipp #1 Schaffe den nötigen Abstand zu deinem Roman

Jede Überarbeitung startet mit Distanz.

Wenn du wochen-, monate- oder gar jahrelang an deinem Roman geschrieben hast, steckst du zu tief in deiner Geschichte drin, um sofort ans Überarbeiten zu gehen.

Du benötigst Abstand, um die Instrumente für den Feinschliff an den richtigen Stellen ansetzen zu können, mindestens vier bis sechs Wochen.

Leg dein Manuskript beiseite und beschäftige dich mit etwas anderem. Schreibe an einem neuen Roman, überarbeite ein Buch, zu dem du den nötigen Abstand bereits hast oder fahre in den Urlaub.

Danach kannst du mit den kritischen Augen eines Lesers an deinen Text gehen.

Tipp #2 Befreie deinen Roman von Füllwörtern

Füllwörter besitzen keine Funktion im Text und sind darum überflüssig. Wenn du sie streichst, wird sie niemand in deinem Roman vermissen. Im Gegenteil wirkt der Satz ohne sie schlanker und kraftvoller.

Füllwörter, die sich oft wie von allein in den Text schleichen, sind z. B. ja, doch, irgendwie, eigentlich, ganz, mal, natürlich, nun oder allerdings.

Du brauchst sie nicht. Darum ein ganz dringender Tipp: Schmeiß sie raus!

Tipp #3 Vermeide Nominalstil und Substantivierungen

Prüfe deinen Text einmal auf die Endung -ung. Wie oft kommt sie in deinem Roman vor?

Wir lieben es offenbar sogenannte Substantivierungen, also die Bildung eines Substantivs aus einem anderen Wort, meist einem Verb oder Adjektiv. Das mag in wissenschaftlichen Texten okay sein, für alle anderen Texte ist ein Übermaß davon der Tod. Also ganz wichtiger Tipp: Vermeide sie beim Roman schreiben.

Tipp #4 Bessere Romane schreiben mit originellen Metaphern und Vergleichen

Ewig zerkaute Redewendungen wie »nach der Nadel im Heuhaufen suchen«, »mit Ach und Krach«, »wie die Katze um den heißen Brei herumschleichen«, »wie Schuppen von den Augen fallen«, »Blut und Wasser schwitzen« und ähnliche sind uns so geläufig, dass sie uns leider immer als Erstes einfallen.

Wenn du einen besseren Roman schreiben willst, spüre diese abgedroschenen Ausdrücke auf und ersetze sie durch originellere Redewendungen. Erfinde für deine Geschichte doch einfach mal ein paar ganz neue.

Tipp #5 Streiche nichtssagende Adjektive und Adverbien

Sei dabei wirklich streng mit dir und prüfe, welche Adjektive und Adverbien unnötig deinen Text aufblähen. Entferne sie!

Ein passendes Adjektiv am rechten Ort ist wunderbar und löst Bilder im Kopf aus. Darum frage dich im zweiten Schritt, wo du vielleicht ein Adjektiv hinzufügen könntest, um die Szenen deines Romans bildhafter und präziser zu gestalten.

Tipp #6 Schreibe abwechslungsreiche Satzanfänge in deinem Roman

Beginne nicht jeden Satz in deinem Roman auf die gleiche Weise. Wenn mehrere Sätze hintereinander z. B. mit »Der/Die/Das« oder »Ich« beginnen, solltest du die Sätze dringend umstellen.

Um mehr Abwechslung zu erreichen, ist es in Ordnung, einen Satz mit einem Adjektiv oder mit einer Konjunktion (aber, doch, denn, oder, und, …) zu beginnen.

Achte aber auch hier auf die Dosis und nutze dieses Stilmittel nicht zu oft.

Tipp #7 Kürze zu lange Sätze

Ebenfalls ein Tipp, für den deine Leser sehr dankbar sein werden.

Denn mehrfach verschachtelte Sätze, die über vier oder fünf Zeilen gehen, erschweren das Lesen. Ersetze darum das ein oder andere Komma lieber durch einen Punkt und mach aus einem langen zwei kurze Sätze.

Tipp #8 Streiche Offensichtliches und Überflüssiges

Beispiel: Er griff mit der Hand nach der Tasse.

Ja, womit sonst? Wenn er nicht höchst talentiert mit den Zehen oder einer Zange nach der Tasse greift, erübrigt es sich, das zu erwähnen.

Beispiel: Sie hob das Glas, um daraus zu trinken.

Auch hier ist der Teilsatz ›um …‹ überflüssig und du kannst ihn streichen. Anders wäre es, wenn sie das Glas stattdessen aus dem Fenster schmeißen wollte. In dem Fall solltest du es erwähnen.

Tipp #9 Dein Roman ›selbst‹ ist nicht ›direkt‹ gut

Zunächst – wenn du es schreibst, heißt es »selbst«, nicht »selber«. Letzeres ist Umgangssprache.

Oft ist aber das Wörtchen ›selbst‹ überflüssig.

Beispiel: Er sollte nicht nur an sich selbst denken.

Besser: Er sollte nicht nur an sich denken.

Ähnliches gilt für das Wort ›direkt‹.

Beispiel: Sie sah ihm direkt in die Augen.

Besser: Sie sah ihm in die Augen.

Tipp #10 hin und her

Viele Menschen tun sich mit der richtigen Anwendung von hin(…) und her(…) schwer. Grundsätzlich gilt:

Wenn etwas auf den Erzähler zukommt, nimmst du ›her‹.

Beispiel 1: Er zog das Glas zu sich herüber.

Beispiel 2: Eine Frau kam die Treppe herunter.

Entfernt sich etwas von dem Erzähler (ausgehend von seiner Augenhöhe), nutzt du ›hin‹.

Beispiel 1: Er stieg die Leiter hinauf.

Beispiel 2: Er würgte es hinunter.

Tipp #11 Sprecherverben

Als ich mit dem Schreiben meines Romans anfing, habe ich diesen Fehler selbst häufig begangen – nämlich falsche Sprecherverben zu nutzen.

Wörtliche Rede lässt sich nicht ›kichern‹, ›grinsen‹, ›lächeln‹ usw.

Wenn du Zusätze zur wörtlichen Rede nutzt, dann achte darauf, dass es echte Sprecherverben wie ›sagte‹, ›fragte‹, ›antwortete‹, ›erwiderte‹ etc. sind.

Grundsätzlich prüfe aber, ob du überhaupt Zusätze benötigst. Im Allgemeinen sollte auch ohne Zusatz erkennbar sein, welche Romanfigur gerade spricht.

Tipp #12 Dativ oder Genitiv?

Ein weiteres Problem ergibt sich bei Präpositionen. Aus dem in der Schriftsprache geforderten Genitiv wird im Gesprochenen oftmals der Dativ.

angesichts
mit GenitivBeispiel: angesichts des Grauens
anhand

anhand von

mit Genitiv

mit Dativ

Beispiel: anhand der Indizien

Beispiel: anhand von Zeugenaussagen

anstatt
mit GenitivBeispiel: anstatt eines Blumenstraußes
aufgrund

aufgrund von

mit Genitiv

mit Dativ

Beispiel: aufgrund schlechten Wetters

Beispiel: aufgrund von Vermutungen

dank
mit GenitivBeispiel: dank der Wettervorhersage
entgegenmit DativBeispiel: entgegen ihrem Willen
entsprechendmit DativBeispiel: entsprechend ihrer Aussage
gemäßmit DativBeispiel: seinem Alter gemäß
infolgemit GenitivBeispiel: infolge des Zusammenbruchs
jenseitsmit GenititvBeispiel: jenseits des Ozeans
mithilfemit GenitivBeispiel: mithilfe eines Anwalts
nahemit DativBeispiel: nahe dem Dorf
seitensmit GenitivBeispiel: seitens seines Arztes
währendmit GenitivBeispiel: während des Spiels
wegenmit GenitivBeispiel: wegen der Hitze
zwecksmit GenitivBeispiel: zwecks höherer Einnahmen

Tipp #13 Pleonasmen … äh … was, bitte?

Was das sein soll, fragst du dich?

Von Pleonasmen (von griech. pleonasmós = »Überfluss«) spricht man, wenn innerhalb eines Ausdrucks mehrfach sinngleiche Wörter auftreten, die dem Leser keine zusätzliche Information bieten.

Die Liste solcher Pleonasmen ist lang. Sie gelten als Stilfehler, wenn du sie ohne erkennbaren Grund einsetzt.

  • schwarzer Rappe
  • kleines Kätzchen
  • Gratisgeschenk
  • winziger Zwerg
  • Baumallee
  • Einzelindividuum
  • zwei Zwillinge
  • Glasvitrine
  • Mitbeteiligung
  • runde Kugel
  • tote Leiche
  • zusammenaddieren
  • weibliche Kandidatin

usw.

Tipp #14 Auslassungspunkte

Endet ein Wort mittendrin, wird zwischen dem letzten Buchstaben und den Auslassungspunkten kein Leerzeichen gesetzt.

Beispiel: Was zur Höl…

Ist hingegen das letzte Wort vor den Auslassungspunkten vollständig, gehört grundsätzlich ein Leerzeichen dazwischen.

Beispiel: Ach hätte ich doch nur …

Am Satzende entfällt nach Auslassungspunkten der Schlusspunkt, jedoch nicht Frage- und Ausrufezeichen.

Beispiel 1: Wie kann er denn …?

Beispiel 2: Verd…!

Tipp #15 Anführungszeichen in deinem Roman

Achte auf eine einheitliche Verwendung von Anführungszeichen in deinem Roman. Statt der geraden Anführungszeichen am Anfang der wörtlichen Rede unten und am Ende oben (beides oben wird nur in englischsprachigen Texten genutzt) kannst du auch Chevrons (»…« und ›…‹) oder die französichen Guillemets («…» und ‹…›) verwenden.

Verwechsle einzelne Anführungszeichen nicht mit der Akzente-Taste (´) und (`) rechts neben dem ß auf einer deutschen Tastatur!

Die Zeichen erhältst du auch mit den folgenden Windows-Tastenkürzeln:

„ ALT + 0132
» ALT + 0187
“ ALT + 0147« ALT + 0171
‚ ALT + 0130› ALT + 0155
‘ ALT + 0145‹ ALT + 0139

So, das waren meine Schreibtipps zum Überarbeiten deines Romans.

Willst du dich ins Thema vertiefen, kann ich dir außerdem Schreiben! hoch 3: Schreibratgeberpaket für Romanautoren« von Stephan Waldscheidt empfehlen.

Jetzt bist du dran … also nochmals ran an den Roman. Achtung, fertig, verbessern!

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